Ein paar Worte zur Wochenmitte

Normalerweise schaue ich tagsüber kein TV. Aber wenn es dann doch mal geschieht, dann soll das offenbar genau so sein. Beim letzten Mal wurde mir so eine brennende Fragen zum Thema Kohlyhydrate sparen trotz Genuss beantwortet. Heute durfte ich mich berühren lassen. Ich habe nämlich zufällig in eine Planet Wissen – Sendung mit Christine Westermann geschaltet, die sich für eine Schweige-Auszeit in einem Zen-Kloster entschieden hat und ihre Erfahrungen teilt. Ich muss leider sagen, dass offenbar die komplette Planet Wissen – Redaktion von einem tiefsitzenden Misstrauen (oder gar Angst?) befallen ist und wieder und wieder versucht, doch noch aufzudecken, dass Menschen durch spirituelle Wege in erster Linie ausgenutzt werden sollen. Das kam leider auch in diesem Beitrag mal wieder deutlich raus (diskutieren Sie auf Facebook: „Ist Achtsamkeit nur eine Mode-Erscheinung?“ – Noch Fragen?). Aber mir hat gefallen, wie Christine Westermann dem einen ziemlichen Strich durch die Rechnung gemacht hat, indem sie daran erinnerte, dass wir mündige Menschen sind, denen eigenständige Entscheidungen zuzutrauen sind. Bravo!

Falls es Euch interessiert: mein eigener Senf, dazu lautet:
1. Spiritualität und Esoterik sind NICHT dasselbe.
2. Jede Lehre kann zum Guten oder zum Schlechten geführt werden. Das liegt an den Menschen, die sie ausführen, nicht an der Lehre selbst.
3. Es gibt keine Wege, die man umsonst geht oder die falsch gewesen wären. Jede Erfahrung hat einen Sinn. Ich beispielsweise habe in der 8. Klasse die Mathematik unter meinem damaligen Lehrer gehasst. Ich habe nichts verstanden, der Lehrer hat mich vor versammelter Klasse runtergemacht und mir ging es in der Zeit richtig schlecht. Dann hatte ich mühsame Nachhilfe und habe dann aber irgendwann die Kurvendiskussion komplett verinnerlicht. Diese Erfahrung hat mir nicht nur geholfen, später selbst wirksame Nachhilfe zu geben (besagter Lehrer glaubt übrigens bis heute, ich hätte ihm damit einen Bären aufgebunden :-D). Jetzt sitze ich plötzlich in einer Fachwirt-Fortbildung und lache mich kaputt, als dort plötzlich die Kurvendiskussion und die Analysis benötigt werden – die ich immer noch im Schlaf beherrsche. Jepp, 8. Klasse war böse, aber es hat doch viel gebracht 😀 Und besagter Lehrer hat mir viel Negatives gebracht – was letzten Endes aber zu meinen autodidaktischen Fähigkeiten geführt hat. Alles hat seinen Sinn.

Aber zurück zum Thema: Abgesehen von diesem  ‚und wir kriegen den Haken doch noch raus“ – Unterton und der Tatsache, dass die Moderatorin ihre Interviewpartner einfach nicht zum Punkt kommen lässt, sondern vorher das Thema wechselt oder abbricht, hat mich vor allem die Art und Weise, wie Christine Westermann von ihren Erfahrungen berichtet, berührt. Zum Teil sogar zu Tränen gerührt.

Warum schreibe ich das? Weil das Thema Achtsamkeit einen engen Bezug zu dem hat, was dieser Blog und die Fotografie für mich bedeuten. Mit Achtsamkeit ist nicht plötzlich alles toll. Mit Achtsamkeit ist man nicht erleuchtet. Aber wer Achtsamkeit übt – egal wie, übrigens – der ist präsent. Und wer präsent ist, hat eine Wahl. Er kann wählen zwischen Gedanken, die gut tun und Potenzial und Energie frei setzen, oder Gedanken, mit denen es einem schlecht geht und die reine Energiefresser sind. Jedes Mal, wenn ich mit der Kamera losziehe, bin ich voll da. Ich bin ganz in dem Moment, bei dem einen Motiv, in genau der Tätigkeit. Es ist die totale Konzentration. Die Zeit verfliegt, ohne, dass ich was davon merke. Vermutlich müsste neben mir eine Kanone gefeuert werden, damit ich noch was mitbekomme. Für mich ist meine Kamera der Achtsamkeitslehrer und das Fotografieren meine Meditation. Was ich dann in dieser kleinen kleinen Makrowelt sehe, hat sogar ein bisschen was von Erleuchtung. Nicht im religiösen Sinne, sondern im ganz praktischen. Etwas, das aussieht wie eine unreife Hagebutte, entpuppt sich plötzlich als ganz spannendes Exemplar einer Spinne. Erst anhand der unter einem Grashalm hervor stechenden Beine, sehe ich den Grashüpfer. Wieder und wieder ein A-Ha!-Effekt! So wie ich mit meiner Fotografie kann jeder seinen eigenen Weg – seine eigene Welle – finden. Und jeder Weg ist vollkommen in Ordnung. Auch, wenn es nicht immer sofort danach aussieht.

Ach ja, den Beitrag von Planet Wissen findet ihr hier.

6 Gedanken zu “Ein paar Worte zur Wochenmitte

  1. „Es gibt keine Wege, die man umsonst geht oder die falsch gewesen wären. Jede Erfahrung hat einen Sinn.“ und „Alles hat seinen Sinn!“ entspricht meiner festen Überzeugung und wir denken heute das, was wir Morgen sind. Ein toller Text, dem ich gerne zustimme und unterstreiche! Merci! 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Meine Erfahrung: Durch Achtsamkeit Menschen, Tieren und Sachen gegenüber gewinnt man selbst Lebensqualität und Lebenslust, man ist sich selbst gegenüber achtsam. Unscheinbares gewinnt an großem Wert, in Details, die man vorher nicht gesehen hat, erkennt man die Schönheit des Lebens. Man führt und genießt dankbar ein kreatives Leben…

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s