Money, money, money….

Es dürfte als gesichert angesehen werden, dass wir Geld verdienen müssen, um unser Leben zu gestalten. Geld regiert ja nun mal die Welt. Da wir in dieser Welt leben, brauchen wir halt auch Geld. Soweit so gut.

Aber ist Geld verdienen hier rein moralisch eigentlich erlaubt? Lasst uns doch mal ehrlich sein. Geld verdienen ist den meisten Menschen doch ganz offensichtlich ein eher notwendiges Übel. Denn – war es nicht so? – Geld verdirbt ja dummerweise auch noch den Charakter! Wir müssen also notwendigerweise unseren Charakter verderben, um unser Leben zu gestalten. Was für ein Tausch! Kein Wunder, das wir uns so dagegen sträuben!Wäre Geld ein Wesen, würde es sich irgendwo niederlassen, wo es als potenzielle Gefahr für die eigene Persönlichkeit angesehen wird? Also ich würde mich in so einer Umgebung nicht wirklich wohl fühlen und auch nicht lange bleiben wollen.

‚Der will doch bloß Geld verdienen‘ oder, soeben in einem Kommentar gelesen, ‚da wird auf billigste Art Geld verdient‘. Jetzt mal ganz im Ernst: na und? Dort wo Geld verdient wurde, gab es offensichtlich Menschen, die bereit waren, es dafür auszugeben. Ob das besagte Buch MEINEM persönlichen Geschmack entspricht, spielt dabei einfach mal gar keine Rolle. Denn wenn ich ein Buch kaufe, das mir nicht gefällt, habe ich die Möglichkeit, es zurück zu geben oder weiter zu verkaufen – oder gar zu verschenken! Aber offenbar ist es anderen Leuten die Ausgabe wert. Also wer maßt sich an, das zu entscheiden?

Hinter solchen Aussagen steckt letzten Endes der Neid. Denn wenn ich so spreche, dann glaube ich – vielleicht ohne es zu wissen – daran, dass Geld etwas Schlechtes ist, das das Potenzial hat, mich zu verderben. Das bedeutet in der Folge, dass Geld sich bei mir nicht wohlfühlt und mich meidet wie die Ratten ein todgeweihtes Schiff. Also habe ich nicht viel Geld. Ich brauche es aber dummerweise zum Leben. Und der andere verdient es offenbar so einfach. Da kann doch was nicht stimmen!

Richtig, da stimmt was nicht. Aber nicht bei dem, der Geld verdient. Denn der sieht Geld offenbar nicht als etwas Übles an. Der sieht Geld vielleicht als einen guten Kumpel an und besagter Kumpel freut sich auf die Zeit mit ihm. Vielleicht sieht er Geld aber auch als extrem wertvoll an, denn mit Geld kann man viele verdammt gute Dinge tun! Nehmen wir mal das Beispiel Steve Jobs, der seine Millionen in wertvolle Projekte für andere Menschen steckt. Da fühlt sich das Wesen Geld so richtig gebauchpinselt, denn es wird (an-)erkannt. Nein, das, was nicht stimmt, liegt bei mir. Wenn ich denn eine negative innere Haltung zu Geld habe.

Geldfluss im Materiellen und Wertschätzung im Geistigen hängen nicht nur eng zusammen. Sie sind die zwei Seiten einer einzigen Medaille. Ohne das eine kann ich auch nicht das andere haben. Habe ich Geld, aber es mangelt mir an Wertschätzung, wird das Geld mich bald verlassen. Das kann man immer wieder bei Lotto-Millionären beobachten, die vorher kein Geld hatten und es auch binnen kürzester Zeit wieder verlieren. Sie wissen nicht, wie man damit umgehen muss. Denn Geld ist ihnen so fremd wie der Mars und vermutlich suspekt. Ohne Wertschätzung bleibt das Geld nicht. Und ohne Wertschätzung kann es auch nicht kommen. Die Frage kann sich jeder selbst stellen. Wie dankbar und wertschätzend gehe ich durchs Leben? Sehe ich den Wert in Dingen und Menschen, in Situationen und Begegnungen? In Krisen?? Kann ich dankbar sein? Kann ich Dank aussprechen? Kann ich mich freuen? So richtig? Auch über Kleinigkeiten?

Oder schiebe ich diese Dinge vor mir her? Ja, wenn ich mal das und das erreicht habe, dann freue ich mich auch mal. Aufgeschobene Wertschätzung bedeutet: der Moment ist vergangen. Was immer in diesem Moment der Wertschätzung bedurft hätte (eine Leistung, die man erbracht hat / eine Überwindung / eine gute Tat / ein Geschenk / ein Lächeln / ein Dank / ein lieber Mensch / was auch immer / egal wie klein), hat diese Wertschätzung nicht erfahren. Damit ist ein Keim erstickt. Unwiderruflich. Zumindest bezogen auf diese eine kleine Pflanze. Aus ihr kann nichts mehr erwachsen! Sind wir uns dessen jemals bewusst? Wenn es um Wertschätzung geht, gibt es kein Aufschieben, kein ‚mache-ich-später‘ (am besten noch im Keller, damit es ja keiner sieht).

Aber die Wertschätzung ist das Wasser, das die Pflanze benötigt. Punkt.

Das bedeutet, das Wertschätzung absolute Grundbedingung für das Verdienen (!) von Geld ist. Ich verdiene es, Geld zu bekommen, wenn ich es zu schätzen weiß. Wenn ich generell Werte zu schätzen weiß. Wenn ich Werte erkenne und anerkenne. Dann fühlt sich Geld bei mir wohl, denn das ist nichts anderes als ein Wert.

Bevor wir also meckern über diejenigen, die Geld verdienen, oder darüber, wie sie ihr Geld verdienen, lohnt es sich kurz innezuhalten und sich zu fragen: wie stehe ich eigentlich zu Geld? Und wenn Geld ein Mensch oder ein Tier wäre, würde er sich bei mir wohlfühlen? Was hätte ich dem Geld zu bieten? Dann kommen wir der Sache schon näher. Und können anderen ihren Verdienst auch gönnen. Und das, finde ich, hat Deutschland bitter nötig.

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