Die Sache mit dem Verstehen…

Heute spiele ich mal den Vorturner. Ich sitze gerade an meinem Schreibtisch und versuche halbwegs vernünftig zu schreiben. Das ist deshalb nicht so einfach, weil ich gerade Handschuhe trage. Es sind die guten Handschuhe, die Konservatoren und Restauratoren in Museen benutzen, deshalb bleibt noch ein bisschen Hoffnung. Aber das Schreiben geschieht unter erschwerten Bedingungen.

Warum? Tja, meine Hände – oder genauer: meine Finger – sind krank geworden. Sie sind geschwollen, voller nässender Blasen, schmerzen (vor allem, wenn sie aneinander reiben) und manchmal machen sie mich verrückt und jucken. Ich glaube, das Ganze läuft unter ‚Hydrottisches Exzem‘. Ich hatte das schon mal vor einigen Jahren. Der Arzt, bei dem ich damals war, meinte zu mir auf die Frage, inwiefern psychische Gründe da mit hinein spielen: „Das hat mit Psyche nichts zu tun. Damit macht man es sich leicht!“ Das ist übrigens der Grund, warum ich zu diesem Arzt nie wieder gegangen bin. Das Hydrottische Exzem ist eine Form von Neurodermitis und diese gilt selbst in der Schulmedizin als eine der wichtigsten Psychosomatischen Erkrankungen.

Aber wie genau ‚behandelt‘ man eine Erkrankung auf der geistig-psychischen Ebene?

Zunächst mal darf allen, die das für ‚es-sich-leicht-machen‘ halten, gesagt sein: Sorry, aber das Heilen einer Erkrankung auf Geistiger Ebene ist alles andere als leicht. Was natürlich der Grund ist, das wir dem versuchen aus dem Weg zu gehen. Ganz im Gegenteil: so ein Prozess kann manchmal Jahre in Anspruch nehmen. Wie bei mir dieses Hautproblem.

Wie gesagt, ich hatte es schon mal. Zunächst an den Händen und dann etwa drei Jahre lang an den Füßen. Fast ein Jahr hatte ich fast ständig offene, blutende Füße. Das ist nun geheilt, aber das Exzem ist nun an den Händen wieder in voller Blüte. Das bedeutet: ich habe das Thema immer noch, nur die Bühne ist eine andere. Und damit haben wir schon mal den ersten wichtigen Punkt: Hinter einer Erkrankung steht immer ein Thema, das durch die Erkrankung selbst symbolisiert wird. Und sie betrifft immer eine bestimmte Region des Köpers, die wiederum aufzeigt, wo, auf welcher Ebene dieses Thema liegt. Beide Aspekte müssen dann intensiv betrachtet werden.

Ich fange jetzt mal auf der Thematischen Seite an und gehe dabei vom Groben zum Feinen. Grob betrachtet handelt es sich um Entzündungen. Entzündungen weisen immer auf Konflikte hin, die ich im Bewusstsein vermeide / verdränge. Immer wenn ich im Bewusstsein etwas vermeiden, nicht (wahr) haben will, schiebe ich das Thema in den Körper ab. Dieser greift es auf, übersetzt es in die Materie und fordert so den Erkenntnisfortschritt. Das ist wie früher in der Schule beim Rechnen. Wenn wir 1+2 nicht im Kopf rechnen konnten, haben wir die Finger dafür hergenommen. Die eigentliche Rechnung hat trotzdem im Kopf stattgefunden, aber die Anschaulichkeit hat uns geholfen, die Rechnung auch wirklich zu machen. Das ist die Funktion den Körpers. Wer das versteht, versteht auch, warum Krankheit eine wichtige Funktion im Leben hat und dass das Ausschalten von Krankheit kein sinnvolles Ziel sein kann. Aber zurück zur Deutung.: Das bedeutet also, dass es Konflikte gibt, die ich im Bewusstsein nicht oder nur wenig präsent habe. Beim ersten Nachdenken fallen mir da gleich zwei große Konfliktherde ein, mit denen ich mir nicht so recht zu helfen weiß und das Gefühl habe festzustecken. Bingo! Aber schauen wir mal weiter, was der Körper dazu sagt:

Rein körperlich habe ich die Konflikte im Bereich der Finger und damit im Bereich der Hand. Um nun herauszufinden, welche Analogie hier liegt, schaue ich mir die Funktionen an. Die Funktion der Hand liegt im ‚HANDeln, im Ausführen. Und die Finger sind dabei wichtige Operateure, denn ohne sie könnte ich nichts greifen. nichts IN DIE HAND NEHMEN. Grob betrachtet geht es also in dem Konflikt um das Handeln und darum, etwas in die Hand zu nehmen. Die Tatsache, dass mir genau das durch die Erkrankung schwer fällt, weil ich die Hände nicht so einsetzen kann, wie ich will, zeigt mir, dass ich irgendwo nicht handele, oder nicht so handele, dass ich gesund dabei bleibe. Es geht also um aktives Handeln. Ich muss etwas tun, aber aus irgendeinem Grund, tue ich es nicht. Auch das trifft auf die beiden Konfliktherde zu. Ich habe das Gefühl, festzustecken. Wie in einer Zwickmühle. Alle Handlungsoptionen bringen ein unerwünschtes Ergebnis. Ich müsste zwischen zwei Übeln wählen.

Aber auch die einzelnen Finger können wiederum ein Thema aufzeigen. Der am meisten betroffene Finger ist derzeit der rechte Mittelfinger. Er symbolisiert als Ringfinger natürlich die Themen Beziehung und Familie, aber hier liegt auch das Thema Kreativität und damit verbunden der Selbstausdruck. Die Aufgabe, die hinter einer Auffälligkeit an diesem Finger liegt, ist ‚die Zurückhaltung aufzugeben‘. Und genau das ist auch mein Problem. In beiden Situationen halte ich mich zurück, weil ich nicht weiß, in welche Richtung ich HANDeln soll. In beiden geht es um Beziehungen – einmal familiär und einmal kollegial. Diese beide Situationen sind aber eingebettet in ein größeres Problem. Denn ebenfalls in diesem Finger ist das Thema Liebe angelegt. Und das ist das Große Ganze, mit dem ich mich gerade herumschlage. In meiner Wahrnehmung fehlt der (meiner) Welt gerade die Liebe. Ich sage bewusst ‚in meiner Wahrnehmung‘ denn es gibt viel Liebe auf der Welt, aber offenbar hat meine innere Sekretärin momentan den Auftrag, die Anrufe, die von Liebe berichten, nicht zu mir durchzulassen. Allenfalls als Notiz auf meinem Schreibtisch.

Und jetzt kommen wir an den Knackpunkt. Warum habe ich ihr diesen Auftrag erteilt? Hier kommt der Satz ‚Krankheit macht ehrlich‘ zum Tragen. Denn wer sich selbst heilen will, muss ehrlich sein. Und genau darum ist es so viel schwieriger, sich mit sich selbst zu konfrontieren und sich auf den Weg der Selbstheilung zu machen. Eine Pille nehmen oder (in diesem Fall) Kortison drauf schmieren) ist so viel einfacher. Aber es kann nicht heilen. Jeder, der schon mal Kortison genutzt hat weiß, dass es sich um eine Krücke handelt. Sobald man das Zeug absetzt, geht es weiter. Medikamente sind wertvolle Helfer und häufig Lebensretter, das steht außer Frage. Aber Heilen können wir uns nur selbst – und zwar über den Geist. Und das braucht schonungslose Ehrlichkeit. Die tut weh. Das tun meine Hände aber auch.

Ich weiß, dass ich momentan vor einer großen Entscheidung stehe. Und ich weiß, dass ich Angst vor dem habe, was dann geschieht. Ich spüre eine große Angst, eine vermeintliche Sicherheit hinter mir zu lassen. Und eine bestimmte Form von Bequemlichkeit, wenn ich ehrlich bin. Gleichzeitig spüre ich, dass ich untergehe, wenn ich es nicht tue. Beide Wege kosten mich also etwas und bringen mir etwas und derzeit scheint es – gemessen an meinen Handlungen – etwa 50  50 zu stehen. Und dann spielt hier noch das Thema  Vergebung (und damit Liebe) hinein, denn es gibt eine Person in meinem Leben, der ich nach all der therapeutischen Arbeit, nach all den Jahren, immer noch nicht bereit bin, zu vergeben. Denn dahinter steht die Angst, dann komplett in den Boden gerammt zu werden. Und da liegt der Grund, dass meine Sekretärin nur lieblose Anrufe zu mir durchlässt. Denn so sieht die Welt ohne Vergebung aus. Auch meine.

Will ich das wahrhaben? Nein! Ich will viel lieber ‚drüber stehen‘ und mich aus der Situation fortstehlen, die Person einfach nur aus meinem Leben verbannen. Das ist der einfache Weg. Der Weg, den die Angst gehen möchte. Und ich merke beim Schreiben, dass ich immer noch nicht glauben will, dass ich den Weg der Vergebung letzten Endes gehen MUSS, wenn ich von diesem Thema je frei kommen werde. Alles in mir wehrt sich dagegen.

Wie geht es jetzt weiter? Ein guter Weg ist es, sich die Horrorvisionen, die Schreckensszenarien der Angst vollkommen bewusst zu machen und sie komplett durchzuspielen, um zu sehen, welche Chancen wiederum in diesem schweren Weg – sollte es denn überhaupt so kommen – liegen. Denn das kann die Angst zum Schweigen bringen und den Weg frei geben. Manchmal lassen dann schon die Symptome nach. Ihr seht, die Beschäftigung mit Erkrankung – auch wenn das hier natürlich nur ein Kurzabriss sein kann – ist nicht sonderlich mystisch und schon gar nicht esoterisch, denn hier gibt es keine Geheimnisse. Der Körper hat vor mir keine Geheimnisse, im Gegenteil: er sagt mir alles so ehrlich wie nichts und niemand anderes. Allenfalls das Lesen des Körpers, das Verstehen dürfen wir noch lernen. Es ist ein tiefgehender Prozess, der schmerzhaft sein kann, selten leicht und häufig dazu führt, dass man Gewohnheiten hinter sich lässt, was Angst macht. Aber echte Heilung geht letzten Endes nur auf diesem Weg.

Dieser Vorgang ist übrigens typisch für die Winterzeit, in der wir ja fast schon sind (auch wenn das nicht danach aussieht). Der November hat begonnen und nicht wenige leiden nun gehäuft unter Krankheiten und Unwohlsein, welcher Art auch immer. In dieser Jahreszeit geht es darum, sich damit auch wirklich zu befassen. In der Tiefe. Dafür hat die Natur diesen Ausgleich geschaffen. Unter anderem das ist gemeint, wenn man von innerer Einkehr oder Innenschau spricht. Oftmals brauchen wir den Körper aber als Hinweisgeber dafür. Vor allem, wenn wir auch nach dem Übergang Herbst noch zu viel im Außen, im Tun und Machen verharren. Dann muss er uns erinnern, dass es jetzt Zeit ist, Innen Hausputz zu machen. Ich für meinen Teil werde den Sonntag jetzt dafür nutzen und wünsche Euch allen in diesem Sinne einen wirklich guten Tag!


Wer sich für diese Form der Behandlung von Erkrankungen interessiert, dem seien die Bücher von Rüdiger Dahlke empfohlen, mit denen ich auch arbeite. Die Erkenntnisse daraus sind natürlich auch in diesen Text eingeflossen.

9 Gedanken zu “Die Sache mit dem Verstehen…

  1. Du hast es sehr schön herausgearbeitet, wie das Erkennen der Ursache gehen kann. Aber eins fehlt noch. Das Loslassen. Nachdem Du erkannt hast, was die Heilung verhindert hat, kannst Du zu Deinem Selbst sagen, dass Du diese Sache jetzt nicht mehr brauchst. Denn letztlich sind solche Symptome nur Kommunikation. Also können wir auch antworten. Alles Liebe, Ambi

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  2. Wow. Ein wahnsinns Text. Ich selbst habe auch viel mit der Psyche zu kämpfen und eine Frau sagte mir mal: wenn man krank wird, muss man auf den Körper schauen und sich um sich kümmern. (Bekämpfe gerade die letzten Ausdünstungen einer Erkältung) und dieser Text passt mal wieder wie die Faust aufs Auge! Es ist so wahr. Der Körper ist einfach der Spiegel unserer Seele. Danke das du mir auch nochmal wieder gezeigt hast, wie wichtig ist alles zu vereinen und den Körper nicht zu vergessen.

    Ich wünsche dir natürlich ganz viel Kraft und gut Genesung! Auf das du die Lösungen findest und auch umsetzen kannst. Drück dich 🙂 Liebste grüße

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    1. Danke für diesen lieben Text! Ja, die Gesamtheit zu sehen ist das Wichtige. Nur das eine oder nur das andere ist zu kurz gedacht. Dir eine gute Besserung und alle alles Liebe für die Seele 😉 P.S.: unter anderem diese Erkenntnis hat mich dazu gebracht, endlich zu fotografieren…

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  3. Du machst also nicht nur großartige Fotos sondern ebensolche Analysen der eigenen Befindlichkeit. Um die eigene Angst zu erkennen, braucht es ja schon einmal viel Mut. Und um Horrorszenen im Kopf durchzuspielen noch mehr.
    Ich wünsche dir viel Erfolg ! Hoffentlich werden die Szenarien bei jedem geistigen Durchspielen etwas erträglicher und etwas blasser. Einen schönen Sonntag !

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