3. Advent – Wie steht es mit der Zeit?

Ich werde immer wieder gefragt, was ich anders mache. Es hat den Anschein, als hätte ich mehr Zeit als die Menschen in meinem Umkreis und die Leute wundern sich immer wieder, warum das so ist. Und es stimmt, ich habe offenbar mehr Zeit für die für mich wesentlichen Dinge, während meine Freunde und Bekannten sich dafür einen abbrechen müssen, um diese Dinge irgendwie noch reinzuquetschen. Zunächst mal habe ich eine Hochachtung vor dem, was diese Menschen leisten. Von Kindererziehung über die Arbeit bis hin zu sozialen Kontakten und allem, was das Leben noch so von einem verlangt. Fast alle Leute, die ich kenne, schaffen das mit einer unglaublichen Bravour. Nur scheint ihnen, wenn sie diese Frage stellen, doch irgendwie was zu fehlen.

People often ask me what it is I do differently. I seem to have more time than the people around me do. So they wonder how that could be. And it is true. I do have more time for things that are important for me while others struggle to get these things into their busy schedules. First of all I have a lot of respect for what they do. Whether it is to raise children, go to work, have social lives, love lives, family lives and to whatever else life demands them to do. Almost all the people I know manage that superbly. But since they ask these questions, something seems to be missing.


 

Ich habe das eine ganze Weile beobachtet und vielleicht eine Antwort gefunden. Die ist aber nicht ganz so einfach. Denn was ich schreibe, könnte sich so anhören, als gäbe es einen Knopf, den man drücken kann und dann klappt das mit dem Zeitmanangement besser. Das ist aber nicht meine Erfahrung. Wer unter chronischem Zeitmangel leidet, der ist unbewusst anders ausgerichtet als jemand, der das Gefühl hat, genügend Zeit zu haben. ‚Unbewusst‘ bedeutet, dass es eine unbewusste Instanz gibt, die spätestens in der frühen Kindheit entstanden ist. Nicht immer, aber in diesem Landstrich sehr sehr häufig, hat es was mit dem Thema Faulheit zu tun. Faulheit als Gespenst der Leistungsgesellschaft ist etwas, was unbedingt vermieden werden muss. Und Faulheit ist häufig klar definiert. Wir haben z.B. gelernt, dass faul ist, wer über einen bestimmten Minutensatz hinaus seine Zeit verplempert – also nicht arbeitet. Wir müssen uns immer ’sinnvoll‘ beschäftigen. Ob so oder so ähnlich, sind wir so erzogen und somit unbewusst ausgerichtet worden, dann sorgen wir ohne unser Wissen ständig dafür, dass wir nicht zur Ruhe kommen – also ‚faul‘ sind. Wir versuchen also einen Un-Wert zu umgehen, damit wir von der Gesellschaft anerkannt werden. Warum das bei mir anders ist, liegt in allererster Linie an meiner TT-Ausbildung, denn diese hat mir geholfen, mir zunächst mal meine anerzogenen Werte, an denen ich ausgerichtet war, klar zu machen. Das ist ein tiefgehender Prozess, der schon mal seine Zeit dauern kann. Außerdem habe ich gelernt, neue Werte zu etablieren, wenn die anerzogenen Werte für mich nicht passend waren. Darum bin ich heute viel weniger pflichtbewusst als die meisten Menschen, die ich kenne. Dafür aber sehr viel besser in Selbstversorgung. Das heißt, wenn ich eine Entscheidung über die Verwendung meiner Zeit zu treffen habe, zeigt mein innerer Kompass nicht auf das, was vermeintlich getan werden MUSS, sondern auf das, was mir in dem Moment tatsächlich WICHTIG ist.

So I tried to find out the difference and maybe I have found an answer. It’s not a simple answer however. What I will write might sound like there is a button somewhere that we just need to press and – voila! – we have smooth functioning time management. That’s NOT my experience.
If you suffer from chronic want for time, you are subconsciously aligned differently than someone who feels he or she has enough time for everything important. ‚Subconsciously‘ means that there is a part in us that we don’t know and that is there at least ever since our early childhood. This part of us has a set of rules for us and we are subconsciously in alignment with these rules. They are not all the same, but in this part of the country, it’s often something to do with being lazy. Laziness is the dark oponent of a society that prides itself on its industriousness and so may not occur. So we have learnt, for example, that we are lazy if we waste more than an allowed amount of time. ‚waste‘ being defined exactly as everything that is not work. If it is this exactly or something similar, without even knowing it, subconsciously we make sure that we seem industrious in order to be acknowledged by society. We try to avoid non-values of our society.  So what’s different in my case? First of all I went through a wonderful coaching-training that helped me realize my alignments and the rules I was tought and that I subconsciously obeyed. And when that was clear I had the choice to keep these rules or to substitute them with new rules that fit my personality and belief-system better. It’s a process that goes deep and therefor can take some time. One result is the fact that I’m not as duty-bound anymore as I was before. Instead I take better care of myself. That means that whenever I have to make a decision about how I spent my time, my inner compass doesn’t point to what seemingly has to be done, but to what is important for me. 


 

Das ist im Übrigen kein entweder-oder. Oder das sollte kein entweder-oder sein. Denn natürlich haben wir Pflichten unserer Familie, unseren Freunden unserem Arbeitgeber gegenüber und natürlich müssen wir diesen Pflichten nachkommen. Doch darüber sollte die Selbstversorgung stehen. Denn dummerweise hat von all diesen Menschen mit ihren Ansprüchen uns gegenüber rein gar nichts davon, wenn wir das machen und uns dabei Stück für Stück selbst kaputt machen. Darum kann ich den Leuten, die unter chronischem Zeitmangel leiden – der sich ja im Advent meistens so richtig zeigt – nur raten: überpüft, was wichtiger ist: die Pflichterfüllung? In dem Fall folgt Ihr einem anerzogenen Wert und dürft Euch fragen, ob das noch für Euch stimmt. Oder sie Selbstversorgung? In dem Fall wird sich der Zeitmangel nach und nach in eine Zeitfülle verwandeln. Vor allem in der Weihnachtszeit wird uns das oft deutlich. Damit erhalten wir das große Geschenk der Einsicht. Wenn man das einmal erkannt hat, ist es sehr gut möglich, daran im kommenden Jahr etwas zu ändern. Und dann wird sich spätestens im nächsten Jahr zu Weihnachten zeigen, wie weit wir gekommen sind.

This is no case of either this way OR the other. Or at least it shouldn’t be. Of course we have duties to our families, friends and bosses and of course we have to fulfill them. But the value of self-care should always be one step higher than the value of duty. Because unfortunately, if that is not the case, after a while we are no service whatsoever to any of those people who have a claim on us. Because we have failed to make sure we have enough to give and are slowling wearing ourselves out. So the only advice I can give to people who chronically don’t have enough time: ask yourself what is more important to your subconscious (it shows not in your thoughts or but in your actions). Is it duty? In that case you follow a value that was imprinted on you by others and my ask yourself if you would chose that value yourself, too? Or is it self-care. In that case your want for time should transform into plenty of time, by and by. During the time before Christmas it becomes very clear what our priorities are. And so we are gifted with the realization. Once we realize something it becomes a possibility to change something – and next Christmas watch for what we have changed so far. 


 

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen eine wunderschöne ZEIT! 😉

So I hope you have a wonderful TIME! 😉

8 Gedanken zu “3. Advent – Wie steht es mit der Zeit?

  1. bewundernswert, dass du das kannst. ich schaffe das auch immer sehr schwer mit dem zeitmanagement um nicht unter druck zu kommen was aber irgendwie daran liegt, dass es immer soooviel mehr gibt, das ich machen will als ich machen kann und klar, prioritäten setzen – aber das ist halt auch immer ein kompromiss…

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    1. Die Frage dabei ist letztlich nur: Wie geht es Dir damit. Es kann ja sein, dass Dich das auf eine gute Art herausfordert. Das ist ja dann vollkommen in Ordnung. Die Prioritäten dürfen ja mal noch individuell festgelegt werden… 😉

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      1. Dann könnte da ein Glaubenssatz hinter stecken. Als Kind hörte ich z.B. meine Mutter sagen, wie toll es ist, wenn man viele Sprachen kann. Das hat die Kleine sich gemerkt und hat ein ordentliches Sprachtalent entwickelt. Bis heute mag ich Sprachen, aber als ich das erkannt hatte, war der Druck weg, ständig noch mehr lernen zu müssen. Vielleicht steckt sowas Ähnliches dahinter…

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      2. bei mir steckt eher dahinter, dass cih das gefühl hab, aus vielen verschiedenen gründen soviel meiner lebenszeit schon ungenutzt verstreichen sehen zu haben und dem will ich jetzt irgendwie mit allen mitteln entgegenwirken. ist ein bisschen komplex das thema… :/

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      3. Das ist es immer. Viel zu komplex für einen Austausch hier, das sehe ich auch so. Aber immer wieder spannend. Aber ich kann nicht anders als den einen Hinweis noch geben: Zumindest ein Teil der Wahrheit liegt in dem Satz ‚das Gefühl … so viel meiner Lebenszeit UNGENUTZT verstreichen sehen zu haben‘. Kenne ich selbst übrigens auch sehr gut 😉 So, jetzt sag ich aber auch nichts mehr dazu 😉
        Alles Liebe, wünsche ich Dir!

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      4. ist mir klar 😉 das problem liegt jedoch eher in dem gefühl begraben, das ich bekomme, wenn ich die zeit nicht nutze – es dreht sich also ein wenig im kreis und beschreibt ganz gut, was du bei anderen wahrnimmst. und ein bisschen ist es so eine art „things to do before having a family“…

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