Diese Krise gönn‘ ich mir

Dies ist der Titel eines Artikels, von dem mir heute morgen meine Freundin erzählte. Und er passt wie Faust aufs Auge! Oder, um es mit Veits Worten zu sagen:

Unsere Gesellschaft leidet unter Funktionierungswahn.Wir beten an, was gut funktioniert: Licht, Kraft, Jugend, Klarheit, Siege…Doch das ist nur die halbe Wahrheit. In jedem ehrlichen Leben gibt es auch Schatten – schwache Momente, Niederlagen, Nichtwissen, Angst,…
Wahrer Erfolg integriert Licht UND Dunkelheit.
Alles andere ist eine eingebildete POSITIV-Blase, die irgendwann eh platzt. Wenn du einen dieser verletzlichen Momente erlebst, kämpfst du dann dagegen oder bist du so mutig, deinen Schatten zu umarmen?

Ich für meinen Teil erlebe gerade einen dieser Momente. Tatsächlich war ich letzte Woche kurz davor, mich tatsächlich krank schreiben zu lassen. Alle Diagnosekriterien für eine leichte Depression oder wahlweise eine Anpassungsstörung waren erfüllt. Dann habe ich gemerkt, dass ich mir damit den letzten Halt, meine Arbeit, nehmen würde. Ich hätte es nie gedacht, aber ich arbeite wirklich gerne. Irgendwann in den letzten Jahren habe ich das Wort ‚Arbeit‘ von seiner negativen Bedeutung befreien können. ‚Arbeit‘ in meinem Umfeld (regional, familiär usw.) bedeutet üblicherweise ‚Schuften bis zum Umfallen‘. Hier könnte man meinen, jemand, der sich so richtig kaputt geschuftet hat, ist ein Held. ‚Der hat auch Krebs? Na ja, der hat ja auch nur gearbeitet!‘ Und das in einem Ton, der sagt, dass er sich seine Krankheit ja dann auch so richtig verdient hat. Derart negativ belegt, habe ich sicherlich lange gegen ‚Arbeit‘ rebelliert und stattdessen meine Berufung gesucht. Nur, um festzustellen, dass arbeiten meine Berufung ist! Ich erlebe im Moment etwas, das auf den schnellen Blick als Rückwärtskurve wahrgenommen werden kann.

In jedem Artikel, der Ratschläge zur fotografischen Arbeit gibt, lautet der letzte Tipp: Brich die Regeln! Der Tipp steht zuletzt und ich finde, er ist extrem wichtig. Aber er kann nur funktionieren, wenn man die Regeln beherrscht. Im Leben ist es nicht anders. Ich bin durch eine lange Schule von Therapie, Coaching und Ausbildungen gegangen und habe alle Regeln gelernt. Wie man mit Gefühlen umgeht, wie man sich selbst auf die Schliche kommt, wie man all das managt und wie man es umsetzt. Und jetzt stehe ich an einem Punkt, an dem ich plötzlich all diese Dinge, oder einen gewissen Teil davon, wieder gezielt verlernen muss. Es ist, als hätte ich die Schule geschafft und müsste die Erkenntnisse jetzt auf das tatsächliche Leben anwenden. Ja, ich weiß, wie die Spiegel- und Resonanzgesetze lauten und dass sie wirken. Ich kenne die Theorie in- und auswendig! Die Praxis sieht manchmal anders aus…

Die letzten Wochen waren nicht leicht. Es ist auch jetzt noch nicht wieder leicht und ich merke, dass ich mich ein bisschen durch den Alltag kämpfen muss. Aber es hat Gründe. Gute Gründe. Große Veränderungen stehen an, sind zum Teil schon angelaufen. Und es spielt keine Rolle, dass ich mich darüber freue und dass ich mir all das wirklich gewünscht habe und dass es im Grunde das Beste ist, was passieren kann: es sind massive Umstellungen, die ihren Tribut fordern. Eben meine aktuelle kleine Krise. Und das ist okay. Ich gönne sie mir. Ohne mich davon unterkriegen zu lassen.

P.S.: Lightroom 6 ist angekommen, neue Fotos sind im Kasten, meine Praxis ausgeräumt und auf dem Weg, in ein DIY-Fotostudio verwandelt zu werden. Ich brauche noch Zeit, aber ich verspreche, es wird hier weitergehen!

27 Gedanken zu “Diese Krise gönn‘ ich mir

  1. Schön von Dir zu lesen!! Ist lange her… Wichtig ist das Du Dich damit beschäftrigst und das tust Du ja! Das ist gut, das kann ich (leider) auch aus eigener Erfahrung sagen… Freu mich auf jeden Fall bald wieder neue Fotos von Dir!!

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    1. Danke Markus, freue mich total über diese Zeilen. Gestern habe ich ein Foto gemacht, das ich schon sooooo lange erhofft habe. Jetzt ist es im Lightroom-Salon und probiert verschiedene Outfits aus 😉 Ich sammele gerade noch, aber ich glaube, es dauert nicht mehr so lange. Außerdem hab ich nächste Woche Urlaub!! Juhuuu!!!

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      1. ..jau, machen wir!
        „Nimm mich mett…!!!“ Mein Weg in eine neue Welt.
        So ein Ratgeber halt, mit Tips und so und natuerlich auch Mett-tafern: Flieg aber nicht zu hoch mein kleiner Freund, so wie der Ikarus, sonst wirst du zum Frikadellenbroetchen. 😀

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  2. ich freu mich schon. ich hab dich vermisst. und deine gedanken sind gut und für dich vor allem wertvoll. ich kenne viele menschen (mich inklusive), die sich grade in so einer phase befinden. we will make it for the better 🙂

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    1. Huhu Paleica, och schön, Danke für die lieben Worte! Ja, es ist wieder so eine Welle, ist mir auch schon aufgefallen. Überall ist ordentlich was los. Es hat seinen Sinn 😉 Irgendwann bin ich auch wieder voll da. Suche schon die ganze Zeit nach nem neuen Theme…. thoughts? 😉

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      1. vielleicht steht es in den sternen 😉 ich weiß es nicht. aber bei mir geht es auch grad ordentlich ab, wie du vielleicht andernorts ein wenig erahnen konntest 😉 aber wahrscheinlich ist es gut. mehr fühlen ist besser als nichts fühlen, weiß ich jetzt 😉
        theme? wie findest du nucleare? habe ich jetzt für meinen musikblog und ist rein optisch momentan weit mein liebstes – bietet mir nur für den episodenfilm nicht genug „portfolio“-möglichkeiten, LEIDER!

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      2. Guten Morgen! Jaaaaa, die Sache mit dem Fühlen. Wir rennen unser ganzes Leben lang davor weg, dabei geht es genau darum. The only way out is through…
        Nucleare? Muss ich mir mal anschaun. Allerdings wäre portfolio schon wichtig. Mal schauen. Ich mag auch Cubic ganz gerne, oder Harmonic und natürlich Boardwalk…. Hin – her – hin – her 😉

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      3. du sagst es. aber oft fängt man schon früh an, mit dem fühlen aufzuhören oder aufhören zu wollen. und dann hat man viel arbeit vor sich.

        mir gefällt es am besten, weil es so ein wunderschönes flat design ist, ich mag einfach die grafik und die typo. cubic und boardwalk sind superschön, haben aber innerhalb der artikel ladezeiten, die mich stören (weil ich nicht weiß, wozu das gut ist). aber vielleicht bin ich da zu pingelig 😉 harmonic wärs geworden, wenn ich mir nicht purpose gekauft hätte. ich mags mit der fixierten menüleiste. editor und twentyfifteen finde ihc auch noch sehr schön.

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      4. Die Qual der Wahl…. Ich lasse es mal wirken und schaue so lange, bis ich mich entschieden habe… mal schaun….

        Die meisten Leute wissen gar nicht, wie wahnsinnig früh wir mit dem Fühlen aufhören. Zum nicht geringen Teil sogar lange, bevor wir das Licht der Welt erblicken. Alleine was im Mutterleib schon abgeht… Das ist schon krass!

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      5. genau. wenn der zeitpunkt da ist kann man ja auch einfach ausprobieren. es passiert ja nix und man kann es auch ganz schnell wieder ändern 🙂

        ja das ist allerdings total unheimlich. und wieviel entscheidungen wir treffen, aus unbewussten ängsten heraus. welche wege wir gehen, nicht weil wir wollen, sondern weil wir nicht anders können. ojemine. und da redet noch jemand vom freien willen.

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      6. oha, jetzt geht’s los, die alte Diskussion. Sind wir selbstbestimmte Wesen oder nicht *gg* Dann lass uns lieber noch ein paar Themes unter die Lupe nehmen 😀

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