Burnt – oder: Kritik der Kritik

Liebes WDR-Team, bzw. liebe Andrea Burtz, die Du für diese Filmkritik verantwortlich bist und mich beinah um ein tolles Erlebnis gebracht hättest:

wie schade, dass Ihr diesen Film (‚Burnt‘ bzw. die unsägliche Übersetzung namens ‚Im Rausch der Sterne‘) nicht verstanden habt. Eure Kritik lautete, dass es zwar um Essen und Kochen ginge, dies aber nicht raus käme, der Film bzw. sein Hauptcharakter kalt und hart sei.


 

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Bildquelle: http://www.wdr2.de/kultur/kino/im-rausch-der-sterne-100.html

 

  1. Nein, es geht nicht um Essen und Kochen, es geht um ein verdammt hartes Handwerk, in dem ein immenser Druck herrscht, das sich zufällig mit Lebensmitteln beschäftigt. Okay, das ist ziemlich hart ausgedrückt, aber das ist das Geschäft auch. Der Film heißt im Original ‚Burnt‘ und in Wirklichkeit geht es darum, dass ein Mensch unter diesem Druck komplett zusammen gebrochen ist, auch, weil ihm etwas Entscheidendes gefehlt hat. Der Film zeigt, wie er sich seine Leidenschaft zurück erkämpft. Der Film zeigt, wovon er getrieben ist. Und er zeigt auch, was ihm gefehlt hat und was passiert, wenn er es endlich findet. Dann kehrt nämlich Ruhe ein, was sehr schön subtil am Ende vermittelt wird. Es geht dabei auch um Genuss, aber nicht um den eigenen. Es geht um höchste Kunst und Präzision. Das Setting, in dem der Film spielt, hat nichts mit dem heimeligen Kochen unter Freunden oder den vielen Shows im TV zum Thema zu tun. Und auch nicht mal mit dem, was wir mit Ausgehen und Genießen verbinden, denn das ist schlichtweg nicht sein Thema. Es geht um die andere Seite. Die, die das Erlebnis des Gastes erst möglich macht. Es geht dabei um Kunst und ein verdammt hartes Geschäft. Und dies hat der Film genial umgesetzt! Es gibt allerdings, neben den üblichen Schönungen eines Hollywood-Films, einen echten Faux-pas. In keiner gehobenen Küche wird der Herd nicht mit Alufolie ausgekleidet. Das ist natürlich ein schlimmer Fehler *zwinker*.
  2. Wer ernsthaft etwas vermisst hat, das in den Bereich Foodporn gehört, der hat einen anderen Film gesehen. Ja, das sind vielleicht Randerscheinungen, aber das ist nun mal auch im wahren Leben so. Alles dreht sich darum, aber diejenigen, die diese Kunst ausführen, haben noch ganz andere Dinge im Kopf. Aber uns ist das Wasser im Mund mehr als einmal zusammen gelaufen.
  3. Ja, der Film und auch sein Hauptdarsteller hat eine gewisse Kühle und Härte – und anders hätte er auch nicht funktioniert! Das ist nämlich der ganze Punkt an der Sache. Adam Jones als Unsympath zu titulieren ist schlichtweg kurzsichtig. Es wurde wohl in der WDR-Redaktion nicht verstanden, dass der Film seine Geschichte erzählt. Ein Mensch mit schwieriger Vergangenheit hat Ecken und Kanten und er muss lernen, damit umzugehen. ‚Burnt‘ zeigt eine Wandlung von einer verirrten Person zu einem beziehungsfähigen Menschen, der Film zeigt seine Heilung. Wer das nicht sieht, hat es vielleicht selbst noch nicht erlebt, aber es ist da. Und es stimmt einfach nicht, dass er keine sympathischen Seiten hat oder auch mal Mitgefühl verdient. Allein die Szene mit Helene’s Tochter könnte man dagegen anführen, aber das ist nicht die einzige.
  4. Seit wann muss jeder Film, der in die Kinos kommt, ein ‚leicht verdauliches Feelgood-Movie‘ sein? Wer mit der Idee an alle Filme ran geht, kann nur enttäuscht werden.

Also, liebe Leute, lasst Euch von schlechten Kritiken nicht abhalten. Der Film ist wirklich einen Besuch wert und ich bin total happy, dass ich doch noch gegangen bin und ihn gesehen habe. Und was die Mädels angeht: Wenn Bradley Cooper französisch spricht, versteht man, warum so viele das so sexy finden. Also rein ins Kino – aber bitte: in die Originalversion! – und Spaß haben! Und bloß nicht auf den WDR hören 😉

 

3 Gedanken zu “Burnt – oder: Kritik der Kritik

  1. O.K. nu bin ich gespannt auf den Film ^^ ich kenn nämlich selber ein paar Leute, die unter dem Druck dieses „Business“ schlicht zusammengebrochen sind, mit Grund, das Klima in dem Gewerbe IST rauh und das ist noch dezent ausgedrückt (weshalb ich auch von einer Ausbildung als Köchin abgesehen habe, obwohl ich leidenschaftliche und ambitionierte Hobbyköchin bin). Dürfte jedenfalls ein schöner Ausgleich zu den vielen romantisierten Filmen ums Thema professionelles Kochen sein.

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    1. Ist es auf jeden Fall! Es ist ein Hollywood-Film, da geht kein Weg dran vorbei 😉 Im Nachspann wurden die Restaurants mit Köchen aufgezählt, in denen tatsächlich gedreht wurde (Hammer-Locations!). Offenbar waren einige namhafte Sterneköche außerdem Berater für den Film. Ich fand ihn super. Gut, bin auch ohne Erwartungen rein gegangen 😉 Sag mir, wie er Dir gefallen hat. Und ich kann mich da nur wiederholen: OV! Einen französisch sprechenden Bradley Cooper sollte man sich einfach zu Weihnachten schenken 😉

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