Arbeit – oder: Angst vs. Gefühl

Bevor ich jetzt mit meinem eigentlich Artikel anfange, ein dickes Sorry! Ich habe in dieser Woche einen neuen Job angefangen und gewöhne mich noch um. Mein Rechner war max. 5 Minuten am Tag an, was auch mal ganz gut tut. Ich hoffe, dass ich Eure tollen Artikel und Beiträge  nachlesen kann 😉 Aber jetzt wird es wieder Zeit, meine Brainspaces aufzuräumen:


 

Wie ja einige von Euch mitbekommen haben, war ich auf Jobsuche. Die Zeit hat sich für mich nicht sehr leicht angefühlt. So wirklich richtig ohne Arbeit war ich wohl mein Leben lang nicht und es ist absolut kein schönes Gefühl. Und: es ist unglaublich, wie schnell das Gehirn sich umstrukturiert. Ich habe meinen Zustand gerne als ‚gehirnmatschig‘ beschrieben. Ich wusste ja, dass ich einige Monate arbeitslos sein würde und hatte mich auf die Zeit richtig gefreut. Hach, was ich alles machen würde, wenn ich all diese Zeit hätte! Ich würde… ich würde… und das würde ich auch… und DAS erst recht! Was ist passiert? Nichts davon. Oder besser gesagt: wenig davon. Die Fotografie hat noch mal richtig Aufschwung bekommen und darüber bin ich froh. Und ich habe dadurch neue Menschen kennengelernt, die meine Passion teilen. Toll! Abgesehen davon war der Rest murks. Ich war in meinem Leben nicht so faul wie in dieser Zeit. Und ich konnte zusehen, wie die Synapsenverbindungen in meinem Gehirn sich nach und nach auflösten, bis die einfachsten Aufgaben so schwer wurden, dass sie fast unüberwindlich schienen.

Ich liebe es zu arbeiten! Okay, ich hätte nie im Leben gedacht, dass ich diesen Satz mal sagen, geschweige denn öffentlich schreiben würde! Aber es stimmt. Und der Hauptgewinn ist ein Job, der keine Arbeit ist, sondern Wirken. Was heißt das?

In Deutschland sind wir weltberühmt für unseren Fleiß. Für unsere Arbeit. Bei uns ist die mathematische Gleichung für Arbeit folgende: Leistung + Bezahlung = Arbeit. Arbeit verstehen wir als etwas, das wir tun müssen, ob wir wollen oder nicht, um unser Leben bestreiten zu können. Ohne Arbeit kein Geld und ohne Geld kein würdiges Leben. Also ist das Wort ‚Arbeit‘ nicht gerade mit den schönsten Emotionen verbunden. Tatsächlich schleppen sich viele jeden Tag zu ihrer Arbeit, immer mehr finden sich mitten in einem Burn-out wieder. Unser Verhältnis zu Arbeit ist nicht gesund. Aber es gibt Hoffnung, denn ganz langsam aber sicher macht sich ein anderes Konzept breit. Man erkennt es daran, dass öffentlich Grundeinkommen diskutiert werden, dass sogar jetzt gerade eine Petition läuft mit dem Ziel eine Volksabstimmung in Sachen Grundeinkommen zu erwirken. Und damit sind wir beim Wort: Wirken.

Wirken ist etwas, das wir ständig tun. Bewusst, unbewusst, aber in jedem Fall ständig. Wenn ich diese Zeilen schreibe, wirke ich. Wenn ich ein Brot backe, wirke ich. Wenn ich ein Foto schieße, wirke ich. Wenn ich all das öffentliche mache, wirke ich erst recht. Wenn ich meine Wohnung aufräume, wirke ich. Jedes Wort, jede Tat, alles, was ich tue, wirkt sich nämlich auf irgendeine Art und Weise auf mein Umfeld aus und auf mich selbst aus. Wenn Menschen ihre Berufung suchen, dann suchen sie gezielt ein Wirkungsfeld. Sie suchen also nach etwas, was sie eh schon irgendwie tun und möchten davon mehr tun. Und wisst ihr was? Das macht glücklich! Ich wage zu behaupten, dass wir Blogger in dieser Gruppe ganz weit vorne mit dabei sind. Wir tun Dinge, die uns Freude machen und manch einer verdient damit sogar ein bisschen Geld. Oder auch viel Geld. Das Bloggen ist der lebende Beweis dafür, wie die Sache mit der Berufung funktionieren kann. In der Potenzialentfaltung und der Berufungsberatung steht am Ende das Ziel, sich den Idealfall nach Möglichkeit selbst zu erschaffen. Jobsuche heißt: ich suche den Arbeitsmarkt nach Stellen ab, die da sind und versuche, mich dort einzufinden. Berufungssuche bedeutet: ich erschaffe mir mein Wirkungsfeld. Nein, das ist nicht so einfach und ein langer Prozess, aber er lohnt sich!

In diesem Jahr 2016 lebe ich jetzt die zwei wichtigsten Aspekte meiner Berufung – die eine endlich endlich in einer Vollzeit-Arbeitsstelle, die andere mit der Kamera und meinem Blog. Der Weg hierhin war nicht vom Startpunkt aus zu erkennen und er war auch nicht leicht. Meine größte Hürde hatte ich im März, als durch eine ungeplante Wartezeit meine Existenzängste hoch schlugen. Ich suchte jetzt ’schnell‘ einen Job zum ‚Geldverdienen‘ und fand ihn auch sofort. Also wortwörtlich sofort. Ich hätte ihn scheinbar auch sofort bekommen können. Nach dem Vorstellungsgespräch war ich happy, dass es so gut gelaufen ist, aber ebenfalls sofort setzte sich eine Schwere in mir fest, erzeugte Kopfschmerzen, Lähmung und totale Verzweiflung. Dieser Job war viel zu nah an dem, was ich in den letzten Jahren erlebt hatte – und was ich nicht mehr wollte. Es war ein guter Job in vielerlei Hinsicht, widersprach aber meiner Persönlichkeit und meinen Bedürfnissen komplett. Hatte ich nur Angst vor der Wiederholung von Altem? Oder hatte ich ein ungutes Gefühl weil das Ding einfach mal nicht passte? Ich brauchte geschlagene drei Wochen um die Antwort zu finden, denn die Unterscheidung ist oft tricky. Zwischen Angst und einem intuitiv und berechtigtem unguten Gefühl liegt ein sehr sehr schmaler Grat. Ohne zu wissen, wie es weiter ging, sagte ich den ‚Verzweiflungsjob‘ ab. Eine Woche später hatte ich meinen Traumjob!

Was will ich damit sagen? Wir verbringen etwa ein Drittel unserer täglichen Lebenszeit mit Arbeit. Manch einer sogar mehr. Einige sogar deutlich mehr. Wenn wir Lebensqualität leben wollen, wäre es dann nicht wichtig, bewusste Entscheidungen zu treffen, die uns – und damit der Welt – gut tun? Ich will nicht sagen, dass wir Knall auf Fall unsere Jobs kündigen und ‚aussteigen‘ sollten. Bewusstseinsprozesse brauchen Zeit, zu schnelles Agieren führt gerne auch in Sackgassen. Aber es hilft, zu hinterfragen, warum wir was tun und ob wir den Mut haben, andere Wege zu gehen, um unsere Zeit auf dieser Erde so zu gestalten, dass wir am Ende darauf zurück blicken und sagen können: Ich hab das Ding sowas von gerockt!

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein tolles Wochenende! Ich werde es zutiefst genießen, denn es ist ein richtiges Wochenende! Mein erstes seit Langem! Aber: ich freue mich auch schon total am Montag wieder auf Arbeit erscheinen zu dürfen. Ist das nicht der Oberhammer???

 


P.S. Für alle, die auf der Suche nach ihrer Berufung sind… Für alle, die ihre Berufung vielleicht kenne, aber das Gefühl haben, festzustecken…. Für alle, die noch mehr über sich selbst erfahren wollen: ich kann nur allerwärmstens den Kurs ‚TheCall‚ empfehlen. Ich habe ihn im Herbst 2014 gemacht. Seitdem haben sich Erkenntnisse gesammelt, Ideen aufgebaut, Wege geöffnet. Es ist nicht nur dem Kurs getan, aber er ist ein wirklich kraftvoller Anfang! Und wer schon weiß, dass sein Glück im Schreiben liegt, dem empfehle ich wärmstens den coolsten aller Schreibkurse überhaupt (oder kennt Ihr einen, der Euch garantiert, dass Eure Exposés von großen Verlagshäusern wirklich gelesen werden???): SchreibGlück. Ich würde mich übrigens total über Erfahrungsberichte von Euch freuen! So, jetzt aber: ab ins Wochenende!

8 Gedanken zu “Arbeit – oder: Angst vs. Gefühl

  1. Viel Spaß bei Deinem neuen Job. Der Erfolg wird von alleine kommen, sofern er Dir Spaß macht.
    Ich selbst habe meine Berufung vor 6 Jahren gefunden und gehe jeden Tag voller Elan zur Arbeit und bin sehr erfolgreich, denn ich habe Spaß bei meiner Tätigkeit und da stört es mich überhaupt nicht auch mal ne Stunde länger zu machen oder zu Hause weiter zu arbeiten.

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    1. Danke Dir! Ja, so geht es mir auch. Man ist gerne da und bleibt, solange es Sinn macht und guckt nicht auf die Uhr… Schön zu hören! Freut mich auch total für Dich! Und jeden, der das so lebt…

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  2. Danke für diesen Text! Ich befinde mich gerade leider in einem reinen Arbeitsverhältnis, zu dem ich mich jeden Morgen mehr oder weniger schleppen muss. Der einzige Vorteil dieser momentanen Situation ist, dass ich geregelte Arbeitszeiten habe, nach denen ich kein Gedanken mehr an den Job verschwenden muss. Ich nutze die verbleibende, freie Zeit sehr viel bewusster und intensiver für die Fotografie. Während meines Studiums hingegen schwirrte permanent auch in meiner freien Zeit der Gedanke im Kopf, ich müsse doch mal was für´s Studium tun.
    Ich hoffe gerade inständig, meine Berufung, die ich glaube zu kennen, irgendwann zum Broterwerb nutzen zu können. Vielleicht ist ja gerade die momentane, unzufriedenstellende Arbeitssituation von mir der perfekte Antrieb…
    Beste Grüße,
    Patrick

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    1. Hey Patrick! Danke Dir! Ja, das ist eine schwierige Situation, aber gut gewählt, wenn ich das mal so ausdrücken kann. Immerhin bleibt Dir dabei freier Raum für die Fotografie und Du kannst sie bzw. Deine Berufung weiter entwicklen! Und ich finde, es ist toll, wie Du das angehst! Bewusstheit ist der Schlüssel zu allem. Und da wo Bewusstheit hinstrahlt, dort entsteht auch Wachstum. Ich drücke Dir die Daumen!!

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