Die Suche nach Arbeit

Ich habe Euch ja versprochen, dass ich Euch von meiner Zeit der Arbeitssuche noch genauer berichte. Das Thema beschäftigt viele, denn unsere Arbeitswelt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Und wir fragen uns: bin ich dort, wo ich bin richtig? Oder auch: wie finde ich den richtigen Job? Was ist meine Berufung?

Als mir klar wurde, dass die Zeit im Hotel nun langsam vorbei gehen würde, wusste ich nicht genau, wohin ich mich wenden sollte. Ich hatte ein paar grundsätzliche Ideen (gewonnen aus TheCall), aus denen sich aber erst mal so gar kein Job ergab, von dem ich leben könnte. Da war meine visuelle Ader, die Freude an Schönheit und an Kreativität, die ja auch diesen Blog hervor gebracht hat und eine ganz große Rolle spielt in meinem Leben. Da ist die soziale Ader, die mir wichtig ist und meinem Tun, egal wo und wie, Sinn verleiht. Und da war die klare Ansage meines Inneren, eine gute Wahl zu treffen und keine faulen Kompromisse mehr einzugehen.

So weit, so gut. Aber was bedeutet das jetzt? Es gab nicht wirklich eine Jobbeschreibung dafür. Also habe ich getan, was ich jedem in dieser Situation nur raten kann: Ich habe mir einen Coach genommen. Und damit meine ich nicht einen, der über die Unterlagen guckt und die optimiert. Nein, ich meine einen Coach, der eine Kenntnis darüber hat, was Persönlichkeit mit Job zu tun hat und der hilft, Klarheit zu gewinnen, in welchen Feldern ich ideal eingesetzt bin. Wie Ihr wisst, bin ich Human Trust – Mitglied und habe dadurch Zugang zu einem riesigen Netzwerk mit nur einer einzigen E-Mail. Also habe ich ans Büro geschrieben und gefragt, ob die so jemanden im Netzwerk haben und mir empfehlen konnte. Daraus ergab sich dann die Zusammenarbeit mit Katja Lutz-Deklerk und eine Reise in das Land meiner Möglichkeiten. Anfangs wurde recht schnell klar, ich suche keine Arbeit, sondern ein Zuhause. Die Art der Arbeit war mir soweit egal, solange die Firma, das Klima, die Umgebung stimmte. Nach einigem Mißerfolgen und hilfreichen Feedback auf meine Bewerbungen, eröffnete sich mir mein altes Berufsfeld, das Kulturmanagement, auf wundersame Weise wieder. Sechs Jahre lang hatte ich es vergessen und eigentlich schon hinter mir gelassen. Plötzlich stand es eindrucksvoll in meinem Leben und zeigte mir, dass dort ein Teil von mir hin gehört. Und dann kam das, was Katja mir am Anfang unserer Zusammenarbeit gesagt hat: es darf leicht sein. Nach all den Jahren Durchhalten und Ertragen, darf es einfach leicht sein. Ich wollte das gern glauben, aber so recht vorstellen konnte ich es mir nicht. Irgendwie war das nicht Teil meines Referenzsystems… Trotzdem, plötzlich wurde es leicht.

Für den Job, den ich jetzt mache, habe ich nie eine richtige Bewerbung geschrieben. Er fiel mir auf Facebook vor die Füße und ich habe reagiert. Ich bin so in ein Feld gekommen, in dem ich sofort gespürt habe: hier bin ich richtig. Die Menschen, die Aufgabe, die Vision. Es folgte eine Wartezeit, bis ich endlich anfangen durfte, die mich noch mal richtig gefordert und mich mit meinen krassesten Ängsten konfrontiert hat. Die war aber auch wichtig, denn: in dieser Zeit wurde mir klar, was ich will. Ich habe mich damals weiter beworben und hatte auch einen Job in Aussicht, der mir mein Auskommen gesichert hätte. Aber die Bauchschmerzen begannen schon nach dem Vorstellungsgespräch und die Aussicht auf diese Arbeit hat mich drei Wochen lang gelähmt. So lange brauchte ich, um den Mut aufzubringen, diesen Job wirklich abzusagen.

Ein Teil von mir hat Angst, dass es zu schön ist, um wahr zu sein. Menschen, die mich in den letzten sechs Jahren begleitet haben, sagen mir, dass ich mir ruhig klar machen darf, dass ich das Glück, das ich derzeit habe, verdient habe und es genießen möge. Ich bin derzeit so angekommen, dass ich, vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben, wirklich was zu verlieren habe und das macht mir natürlich Angst.

Aber Leute, so kann es gehen! Dort, wo ich jetzt bin, darf ich sinnvolle Arbeit machen, die mich massiv herausfordert aber auch total erfüllt. Ich habe keine geringere Chance als die, mich tatsächlich zu verwirklichen. Eine Chance, die ich an vielen Stellen gesucht habe, aber nicht gedacht hätte, dass ich sie genau hier finden würde. Der Satz ‚läuft bei dir!‘ war in meinem Leben noch nie so angebracht wie jetzt. Sogar meine neue Wohnung, ein Bauerntraum im Grünen, ist Realität geworden!

Natürlich ist die Welt deshalb nicht rosarot oder voller Geigen. Ich bin jeden Tag gefordert – ob durch schwierige Arbeitszeiten, volles Engagement, gelegentliche Enttäuschungen oder durch die täglichen Begegnungen mit mir selbst, meinen inneren Prägungen, der Tatsache, dass mein soziales Leben ein bisschen darunter leidet, und, ganz besonders, sehr tief sitzenden Ängsten. Aber auch das stand in gewisser Weise auf meiner Wunschliste. Lahm und passiv hatte ich genug in meinem Leben! Und nur, was ich erkenne, kann ich auch heilen.

Es ist eigentlich eine Standard-Beispiel-Geschichte, die man häufig zu lesen bekommt, wenn man sich auf die Suche nach der eigenen Berufung macht und versucht herauszufinden, wie man sie denn auch leben kann. Diese Geschichten haben immer einige Kernelemente: eine klare Vision, Vertrauen ins Leben, auch wenn es so aussieht, als wäre es aussichtslos, zusammen mit dem Sich-nicht-beirren-lassen, und der Punkt, an dem die Wende kommt. An dem es leicht wird und die Dinge sich einfach zu ergeben scheinen. Für mich gibt es dabei nur einen Unterschied: Ich habe keine Wahl, als diese Geschichte zu glauben, weil ich sie selbst erlebt habe.

Wer sich auf die Suche nach dem ureigenen Leben macht –  also dem Leben, das zur eigenen Persönlichkeit passt, das dem Ich entspricht und aus dem somit Lebensqualität, Gesundheit und das vielgerühmte Glück entspringt – macht es sich dadurch nicht leicht. Der Weg kann steinig sein. Manche sagen dann, das Leben testet die Absicht. Ist es dir ernst damit? Willst du das wirklich? Also wirklich wirklich? Bist du bereit, dafür mutig zu sein? Bist du bereit, dafür über deine Grenzen zu gehen? Und erst dann kommt scheinbar der Punkt, an dem das eigene Gehirn und das Leben an sich überzeugt sind und mitarbeiten. Dann setzt der Flow ein. Für alle, die sich derzeit in der Testphase befinden oder Angst vor ihr haben: bleibt dran. Der Knoten platzt noch, wenn ihr dran bleibt!

Ich stehe jetzt vor der großen inneren Herausforderung, die überwältigende Dankbarkeit, die ich gerade fühle, nicht der Angst zu opfern, all das wieder zu verlieren. Eine Frage des Fokus. Ich hoffe, ich kann ihn halten.

 

11 Gedanken zu “Die Suche nach Arbeit

  1. das wirst du bestimmt. es freut mich, dass du das gefunden hast, wonach du immer gesucht hast und dass es nach wie vor so passt! und ein kleines zitat, das mir dazu einfällt: Worrying does not take away tomorrow’s troubles. It takes away today’s peace. etwas, das ich mir auch selber gleich hinter die ohren schreiben sollte 😉

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