Die Brille der Anderen…

Meine Brainspaces sind gerade massiv von Text belagert. Viel Text, viele Gedanken. Neben der Frage nach dem befreitem Herzen (dazu sicherlich ein anderes Mal mehr) treibt mich momentan die Frage nach Vereinbarkeit um.

Unser Planet, unser Land, unsere Familie, unser Freundeskreis…. alles, was wir kennen ist bevölkert von Menschen. Diese Welt ist unser Spielplatz – oder unsere Schule, je nach Philosophie. Nehmen wir mal an, es ist unsere Schule, eine Station auf dem Weg zu höherem Bewusstsein (keine Sorge, das ist das Höchstmaß an Spiritualität für heute, Ihr könnt ruhig weiter lesen), dann würde das bedeuten, dass das Leben eine andauernde Abfolge von Lektionen ist. Okay, so weit, so bekannt. Ich befasse mich gerade mal wieder mit Fragen der Fachdisziplin Wahrnehmung und Kommunikation.

Jede soziale Gruppe, egal ob familiär, professionell oder einfach nur Spaß-bedingt, basiert auf Wahrnehmung und Kommunikation. Und krankt nicht selten daran. Das ist nur logisch. Denn jeder von uns trägt eine Brille, die gerade mal 0,003% – oder war’s 0,0003%?? es war auf jeden Fall w e i t unter 0,1% – dessen durchlässt, was die Realität wirklich ist. Das ist ein Schutzmechanismus. Hätten wir diese Filterbrille nicht eingebaut, würden wir vor Reizüberflutung tot umfallen. Denn was wir tatsächlich wahrnehmen könnten übersteigt unsere Kapazitäten, dieses auch zu bewerten, zu verwerten, zu speichern und abrufbar zu machen. Geschweige denn gleichzeitig lebenserhaltende Funktionen aufrecht zu erhalten und – kurz gesagt – zu bemerken, dass wir leben.

Weit unter 0,1% also. Das ist wenig. Das ist verdammt wenig. Und jetzt kommt ja der Clou. Diese 0,003% (ich bleibe der Einfachheit halber mal bei dieser Zahl) variieren ja auch noch! Von Mensch zu Mensch und bei jedem Menschen selbst abhängig von Tagesform, Entwicklung und aktuellen emotionalen Zuständen. Heißt also, wir nehmen einen Bruchteil von dem, was wirklich da ist wahr und jeder Mensch dann auch noch einen anderen Bruchteil. Und auf diesem Flickenteppich von Wahrnehmung beruht nun unsere Kommunikation! Ich finde, das ist eine echt schlaue Schule! Die fordert wenigstens mal so richtig!

Was, wenn ich aber halbwegs sinnvoll, möglichst gewaltfrei und eventuell noch effektiv kommunizieren will?

  1. Das Ende der Rechthaberei – Wir alle tragen die 0,003%-Brille. Es gibt keine Ausnahmen. Es macht sowas von keinen Sinn zu glauben, es gäbe eine ‚richtige‘ Sicht auf die Dinge. Selbst, wenn wir 100% der Realität wahrnehmen würden, auf die Wahrnehmung selbst folgt noch der Prozess der Interpretation. Alleine dieser ändert das ‚Ergebnis‘ schon massiv ab. Wir sitzen im selben Boot, krass gesagt haben wir alle keine Ahnung. Wenn wir aufhören darüber zu streiten, welche Sicht die Richtige ist, haben wir schon viel gewonnen. Dann können wir interessiert nach der Brille der Anderen Ausschau halten und neugierig hindurch schauen…
  2. Die Brille der Anderen – Wenn wir das Rechthaben aufgegeben haben, kommt etwas ins Spiel, das manch einer mit Empathie überschreiben würde. Wir versetzen uns in den anderen hinein. Wie würde ich dieses oder jenes sehen, erleben, erfahren, wenn ich es mit den Lebenserfahrungen, Prägungen, Ängsten und Hoffnungen meines Gegenübers sehen würde? Was an diesem Punkt entsteht ist: Verständnis. Und aus Verständnis ergibt sich
  3. Toleranz – ‚Gleich und gleich gesellt sich gern‘ ist nicht nur ein bekanntes Sprichwort, sondern auch eine psychologische Tatsache. Wir befolgen diese Regel ohne es zu merken jeden Tag. Nach dieser Regel richtet sich unser soziales Netz. Auch wenn die Gleicheiten nicht immer sofort offensichtlich sind, letzten Endes bauen wir unser ganzes Sozialleben auf ihnen auf. Wenn wir durch die Brille der Anderen sehen, gehen wir ein paar Meilen in ihren Schuhen und werden ihnen dadurch ähnlicher. So öffnen sich die Türen und der Weg zum anderen ist frei.

 

Heute bin ich ein wenig durchs Städtchen geschlendert und habe mir ein paar Bücher mitgenommen. Eines davon habe ich in nur zwei Stunden komplett durchgelesen und es hat mich beeindruckt. In diesem Buch liefern sich zwei Autoren aus zwei komplett unterschiedlichen Kulturkreisen einen Schlagabtausch – total offen und ehrlich und vor allem akzeptierend. Das Buch ist eine Abfolge von E-Mails, die eigentlich ursprünglich mal ein gemeinsames Buchprojekt anstoßen sollten und dann selbst dazu geworden sind. Sie tragen genau die Aussage: wir brauchen wieder offene und ehrliche Kommunikation. Und so empfinde ich es auch. Wir brauchen wieder eine Kommunikationskultur, in der Ehrlichkeit und Offenheit gemeinsam die erste Geige stellen! So, das war mein heutiger Senf 😉

Ach ja, wer Interesse hat, hier ist noch das Büchlein:

2 Gedanken zu “Die Brille der Anderen…

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