ichliebedich – Wochen: Das befreite Herz

Fortsetzung von ‚Das Wort Liebe’…

Vor einigen Jahren habe ich eine Coaching-Ausbildung gemacht. Innerhalb dieser Ausbildung gab es eine interessante Begegnung. Ich erinnere mich nicht mehr an den genauen Anlass, aus dem es zu dem Gespräch kam. Aber ich hatte mit irgendwas zu kämpfen. Meine Kollegin ging im Gespräch dazu über, mir massiv in die Augen zu schauen.Sie hörte mir nicht zu, sondern forcierte meinen Blick und erklärte mir: ich habe die Gabe, über meine Augen Liebe in Dich fließen zu lassen. Als ich abwehrte, machte sie mir klar, das wäre schon längst passiert. Ich habe das alles andere als positiv erlebt…

Da auch mir Abgrenzung nicht immer leicht fiel und fällt, konnte ich darauf nicht adäquat reagieren. Heute würde ich dieses Gespräch als übergriffig bezeichnen (im Übrigen glaube ich, dass sie das zum Ende der Ausbildung auch verstanden hat). Warum erzähle ich das? Mal abgesehen von der ‚Übergriffigkeit‘ in diesem Moment, war alleine die Idee, jemand könne mir über seine Augen ‚Liebe eingeben‘ für mich unendlich abstrus. Was auch viel mit den zuvor genannten Gründen zu tun hat. Liebe ist eine Einstellung, die können andere nicht für einen machen. Man kann Liebe schenken, aber nicht der Sender entscheidet über die Annahme des Pakets, sondern der Empfänger….

Die Fähigkeit wirklich zu lieben müssen manche Menschen sich erarbeiten. Nicht alle. Viele bekommen sie in die Wiege gelegt. Aber das gilt eben für viele andere nicht. Die meisten von uns verschließen ihr Herz sehr früh, denn ein Kinderherz bleibt nur dann wirklich offen, wenn es bedingungslos geliebt wird – und wer hatte schon das Glück? Viele, die das für sich erkannt haben, haben sich in bedingungsloser Selbstliebe geschult. Das bedeutet nicht, dass wir alles toll finden, was wir so verzapfen. Es bedeutet einfach, dass wir vor unserem Ich mit allen Licht- und Schattenseiten, mit allen Ecken und Kanten, einen großen Respekt haben. Dass wir uns verstehen. ‚Die beste Freundin ist die Person, die alles von Dir weiß und Dich trotzdem liebt.‘ Das ist das Prinzip der Selbstliebe. Sich selbst die beste Freundin bzw. der beste Freund sein. Dieser Weg geht der Fähigkeit, bedingungslos zu lieben voraus.

Es gibt eine Form von Liebe, die gemeinhin als bedingungslos anerkannt wird. Sie ist bedingungslos vorhanden, oder bedingungslos eben nicht vorhanden. So schrieb es zumindest Erich Fromm. Dabei handelt es sich um die Mutterliebe. Obwohl ich sie nicht in ihrer bedingungslos vorhanden Form erfahren habe, bis ich gelernt habe, sie mir selbst zu schenken, ist es genau diese Liebe, die meinen Panzer gesprengt hat. Und der Auslöser war ein Blick. Ein einzelner Blick. Also ja, manche Menschen haben die Gabe, Liebe über ihre Augen weiterzugeben. Doch das passiert nicht mit Ansage, sondern es geschieht einfach.

Diesem Menschen, dessen Blick meinen Panzer der Vergangenheit überantwortet hat, gehört für den Rest meines Lebens meine Dankbarkeit – und meine Liebe. Bedingungslos…

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