Menschenrechte

Heute ist der Tag, an dem die ‚Allgemeine Erklärung der Menschenrechte‘ bzw. die sog. Menschenrechtscharta gefeiert wird. Wer mag, kann sie sich bei Wikipedia mal durchlesen. Ich habe das soeben getan und bin sehr, sehr nachdenklich, daraufhin.

Dass Menschenrechte an vielen Orten dieser Welt massiv mit Füßen getreten werden, muss man wohl niemandem erklären. Wir tendieren, dorthin zu gucken, wo es am lautesten kracht und am schlimmsten aussieht. Und ja, davon haben wir mehr als genug momentan auf der Welt. Und da stimmt es schon nachdenklich. Wo werden all diese Rechte gewahrt?

Aber das gilt nicht nur für die lauten, schlimm zugerichteten Orte und Regionen dieser Welt. Wenn ich mir die Charta mal auf der Zunge zergehen lasse, stellt sich mir die Frage, wo werden diese Regeln eingehalten? Stichwort, Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Ja, wir sind schon ein Stück weiter, aber es klingt selbst in unserem doch recht weit entwickelten Land noch immer ein bisschen nach Idealzustand als nach Realität.

Und der erste Absatz

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.“

Gleich an Vernunft und Gewissen begabt und sich einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen? Wissen das all die Chefs und Führungskräfte, denen es in erster Linie um ihren Machterhalt geht und die eifersüchtig über ihr Territorium wachen, die ihren Mitarbeitern den Mund verbieten und mit Kündigung drohen, wenn sie sich erklären möchte? Wissen das auch all die hunderte von Menschen, die ihren Nachbarn, Kollegen, Familienmitgliedern das Leben schwer machen, weil sie mit sich selbst nicht klarkommen, weil sie verbittert sind, weil sie sich selbst benachteiligt fühlen und andere dafür zur Rechenschaft ziehen wollen? Wissen das all die Menschen da draußen, die einer wie auch immer gearteten Ideologie nacheifern, diese für die einzig wahre Wahrheit halten und anderen Menschen dafür im glimpflichsten Fall verachten? Wissen das all diejenigen da draußen, die achtlos im eigenen Leben stehen, von alten Wunden getrieben rücksichtslos ihren Weg auch über Leichen – wenn auch nur im übertragenen Sinne – gehen?

Bald wird im WDR die Frage gestellt ‚Verroht unsere Gesellschaft?‘. Tut sie das? Der Teil dieser Welt, in der meine Realität gerade zu Hause ist, sieht mir momentan nach einer Verteilung aus von machtgierigen Raffzähnen in Übergröße und hilflosen Davids, die keine Steine finden. Ich nehme mich da nicht aus. Ich stehe derzeit einer gewissen Zahl von Vertretern der ersten Gruppe gegenüber und sehe mich selbst leider als Vertreter der Zweiten. Und ich frage mich mitunter verzweifelt, wenn wir das in unseren eigenen vier Wänden, auf unseren eigenen ‚Lebensbühnen‘ (Arbeit, Freizeit, Beziehung etc.) nicht auf die Reihe bekommen, wie wollen wir dann erwarten, dass es im Großen funktioniert?

Ich möchte diese Charta gern leben und die allermeiste Zeit in meinem Leben bin ich positiv und habe ausreichend Kraft und Optimismus. Aber nicht immer. Und dann werde ich nachdenklich. So wie heute….

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