FavouriteReads: Der Palast der Meere

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Früher war ich mal eine totale Leseratte. Das fing im 2. Schuljahr (spätestens) an. Keine Nacht ohne lesen. Später, in meiner Teenie-Zeit, habe ich ganze Nächte durchgelesen. Ich habe es geliebt, wenn ich morgens die Vögel habe zwitschern hören und ich war immer noch am lesen. Ein echter Luxus.

In meinem Studium hat das nicht nur nachgelassen. Im Grunde gab es einen schweren Schnitt. Denn plötzlich wurde Lesen Arbeit. Für die Seminare und die Hausarbeiten wurde gelesen, gelesen, gelesen. In der Zeit habe ich aufgehört, abends dann auch noch zu lesen. Geschweige denn, die ganze Nacht durch. Ich habe dann lange nach Autoren gesucht, die mir dieses Gefühl von ’nicht-aufhören-können‘ wieder gaben. Eine davon ist Rebecca Gablé.

Aktuell lese ich (endlich) ‚Der Palast der Meere‚. Es ist ein in sich geschlossener Roman, den man problemlos alleine lesen kann. Nichtsdestotrotz ist es ein ‚Waringham‘-Roman, und ist damit Teil einer Serie über eine bestimmte englische Familie, die sich in so ziemlich allen ihren Nachkommen auszeichnet durch ein etwas zu loses Mundwerk, einen ausgeprägten Instinkt für Pferde und durch unsägliche Seekrankheit. Mit wenigen Ausnahmen. Den ersten Waringham-Roman (‚Das Lächeln der Fortuna‚) vor vielen Jahren und es hat mich gefesselt. Ich habe seither so ziemlich alles gelesen, was Rebecca Gablé zwischen zwei Buchdeckel gepackt hat. ‚Der Palast der Meere‘ hat ein Weilchen warten müssen, aber jetzt bin ich fast durch und ich liebe es.

Ich glaube, was mir am meisten gefällt, ist die Tatsache, dass hier mindestens zwei Gablé-Universen zusammen kommen. Die Durham und die Waringham. Ich liebe es, wenn Autoren die von ihnen geschaffenen Welten verbinden. Es gibt so ein schönes Gefühl von Kontinuität. Es macht die Illusion perfekter. Gablé versteht es, als Professorin für Mittelalterliche Geschichte allemal, ideal, reale Personen mit fiktiven Charakteren zu verbinden und so eine Welt lebendig erlebbar zu machen, die wir uns heute nicht mehr vorstellen können – allenfalls romantisch verklärt. Eine Besonderheit an diesem Buch ist, dass wir England verlassen. Wir verlassen gar das Mittelalter und befinden uns in der frühen Renaissance. Columbus hat die neue Welt bereits entdeckt und nun erfahren wir, wie es auf den Meeren fast 100 Jahre später zugeht. Wir erfahren, was Piraterie und Freibeuter waren, wir erleben die Glaubenskriege, erleben die frühen Anfänge der Sklaverei und wir verbringen Zeit mit Mary Stuart in Gefangenschaft. Und natürlich dürfen Liebe, Intrigen und auch dunkle Machenschaften nicht fehlen.

Ich persönlich bin Rebecca Gablé im Übrigen extrem dankbar, dass sie die endlosen Kerkerszenen, ohne die keines ihrer frühen Bücher auskam, hinter sich gelassen hat. Es gab vermutlich auch ohne Kerker und die ewig willkürliche Macht, die sich unermüdlich und unerbittlich gegen den Schwächeren richtete noch ausreichend andere Schrecken in der Geschichte der Menschheit. Dadurch habe die Bücher dann, nach einer kurzen Pause, auch den Reiz für mich wieder entwickelt.

Die Bücher von Rebecca Gablé sind für mich allesamt das, was man unter einem ‚page-turner‘ versteht – also einem Buch, bei dem sich die Seiten scheinbar von selbst umblättern, weil man so vertieft ist und es einfach nicht aus der Hand legen kann. Eben weil die Autorin ein tiefes Wissen hat und scheinbar äußerst viel Zeit und Energie in die Recherchen für ihre Bücher steckt, ist es nicht nur kurzweilig, sondern auch interessant und lehrreich. Ich habe viele, sehr viele, historische Romane in meinem Leben gelesen. In Deutschland ist Rebecca Gablé für mich die beste historische Autorin, die wir haben.

2 Gedanken zu “FavouriteReads: Der Palast der Meere

  1. Ich habe das Buch auf dem E-Book und die ersten Bände als Hardcover, muss aber gestehen, dass ich noch nicht einen Blick hineingeworfen habe. U. a. aus Zeitmangel und weil es ja laufend neue sehr lesenswerte Bücher gibt. Aber ich glaube, es wird zwingend Zeit da reinzugucken. Danke Dir!

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    1. Tu das! Bei mir hat es auch sehr lange gelegen, bis ich Zeit und Lust hatte. Jetzt sind es nur noch ein paar Seiten bis zum Schluss und ich überlege gerade, ob ich die Waringham-Saga nicht noch mal komplett von vorne beginnen sollte 😉

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