Der wahre Erfolg –

Und was ist nun meine Wahrheit?

  1. ‚gesund‘ bedeutet nicht ’normal‘. Diese Erkenntnis gehört zu denen, die das ganze Leben verändern. Ich habe es nicht gewusst, aber mein ganzes Leben lang habe ich versucht, in diese ‚alte Welt‘ zu passen. Ich war überzeugt, wenn ich meine Traumata (Adoption, Borderline-Eltern, Ablehnung und Mobbing etc.) endlich überwunden hätte, dann würde ich genau so in dieser Welt funktionieren, wie diejenigen, die keine solche Traumata haben. Dann würde ich auch problemlos einen fordernden Job machen können. Dann würde ich endlich viel Geld verdienen. Dann würde ich eben ’normal‘ sein, so ‚wie sich das nun mal gehört‘. Die Krise der letzen Monate hat mir endlich und unmissverständlich und unvergesslich gezeigt, dass das die größte Lebenslüge ist, der ich hinterher gelaufen bin. Die Realität sieht so aus: je mehr ich meine Traumata überwinde, desto besser lerne ich mich kennen und lieben. Und je besser ich mich kenne und liebe, umso unmöglicher ist es mir, mich so zu behandeln, wie es die ’normale Welt‘ von mir verlangt. Denn das würde heißen, ich hätte mich auszubeuten. Denn all diese Konventionen und Verpflichtungen, gegen die ich verstoße (hier noch mal die Aufzählung), bedeuten für mich die totale Selbstausbeutung:
  2. Gesundheit, Freiheit und Zeit sind für mich das Kostbarste auf dieser Erde. Ja, ich bin ein Ästhet und ich liebe ein schönes Zuhause. Aber eins habe ich in der Bruchbude gelernt, in der ich die letzten sechs Monate verbracht habe: ob ich mich Zuhause fühle, hängt einzig und allein von mir und von meiner Bereitschaft dazu ab. Als meine ‚Mitbewohnerin‘ sich gefühlt zum ‚Sterben‘ über Wochen und Monate in ihr Schlafzimmer zurück zog, habe ich mich bewusst entschieden, zu leben. Und im Zuge dessen habe ich für mich neu entdeckt, was ‚leben‘ überhaupt heißt. Oder besser gesagt: ich lerne es immer noch. Jeden Tag erkenne ich neue Aspekte. Eines steht aber fest: es hat nichts mit großen Häusern, Autos und sonstigen Statussymbolen zu tun, sondern mit echter Lebensqualität, die ganz woanders her kommt. Ich gelange zu einer Authentizität, die ich nie wieder hergeben möchte. Kein Geld und keine Dinge der Welt könnten das auch nur im Ansatz ersetzen.
  3. ‚Krankschreibung‘ ist bei uns ein Synonym für Faulheit. Denn es stimmt: viele Menschen, die ihr Leben in erster Linie von Verpflichtungen bestimmen lassen, haben nur eine Chance, aus diesem Korsett zu entkommen und das ist die Krankheit. ‚Krankheit macht ehrlich‘ schrieb Rüdiger Dahlke einmal und das ist eine Ansicht, die ich zutiefst teile. Trotzdem war es für mich ein großes Problem, die Krankschreibung anzunehmen. Die ersten zwei Monate hatte ich keine Kontrolle über meinen Körper sobald ich das Arztzimmer betrat. Immer schwang die Angst mit, dass er mich zwingen würde, dorthin zurück zu gehen, wo ich nur untergehen konnte: auf den normalen Arbeitsmarkt. Ein Menschen mit meinen Grundlagen kann auf diesem Markt nicht bestehen. Ich habe es versucht und habe mich derart abgerackert, dass der bloße Gedanke ein ein normales Arbeitsverhältnis heute richtige Panikattacken auslöst. Es dauerte zwei Monate, bis mein Arzt und ich herausgefunden hatten, dass diese unkontrollierbaren Emotionen eben solche Panikattacken waren und ich brauchte eine ganze Weile, bis ich verstanden hatte, dass es wirklich um eine Gesundheit geht und ich alle Zeit habe, die ich brauche, um mich überhaupt zu erholen von dem, was mir kürzlich und davor geschehen ist. Und darum ja: ich wage es, krank zu sein, schwach zu sein. Denn ich habe gar keine andere Wahl. Sobald ich über meine Grenzen gehe, breche ich zusammen. Sogar bei Tätigkeiten, die mir eigentlich Spaß machen. Ich achte gut auf mich, versorge mich gut und bin mir selbst die beste Freundin.
  4. Kein Mann, kein Kind, kein Haus. Und warum? Klar, weil ich schwierig bin. Weil ich oberhalb von Konfektionsgröße 36 liege! Oder? Bullshit! Ich habe keinen Mann, weil ich mich vor Jahren dagegen entschlossen habe, eine Beziehung einzugehen, bevor ich meine Traumata soweit überwunden hatte, dass ich dazu überhaupt fähig wäre. Denn irgendwann ist mir klar geworden, dass ich selbst den besten, tollsten, wachesten Mann der Welt richtiggehend zerrieben hätte. Kein Mann hatte mit mir eine Chance und ich habe aufgegeben, es erzwingen zu wollen. In der Zwischenzeit habe ich gelernt, mich selbst auch ohne Mann als ganz und vollwertig zu erleben. Ich habe es nicht mehr nötig, einen Mann zu missbrauchen, um mir der Papa oder die Mama zu sein, die ich nicht hatte, oder um mich vollwertig zu fühlen. Diese Illusion durfte ich lange hinter mir lassen und dafür bin ich zutiefst dankbar. Kinder waren im Übrigen nie Teil meines Lebensplanes. Und ein Haus, was ist ein Haus? Ist das eine Villa, wie hier die meisten Leute anzunehmen scheinen? Immerhin muss es in Ordnung sein, sonst kommt der Nachbar unangemeldet und schneidet meine Hecken! Oder kann es ein Bauwagen, ein Container oder eine Gartenhütte sein? Ich entscheide, wie ich leben will. Und es wird immer meiner Persönlichkeit entsprechen.
  5. Nein, ich war nie beliebt. Ich hatte immer Ecken und Kanten. Ich habe immer Dinge ausgesprochen, die anderen unangenehm waren. An meinem Beispiel habe viele, viele Menschen gelernt, die Klappe zu halten, weil sie ansonsten einen drauf kriegen. Und ich bin aufgefallen. Negativ sogar. Ich habe es gewagt, Wut zu zeigen. Oder Trauer. Oder Verzweiflung. Viel Verzweiflung. Ich habe kein Blatt vor den Mund genommen, ich habe nicht gelogen, um mich gefälliger zu machen. Bei mir weiß jeder, woran er ist. Und oft erlebe ich, dass mir Menschen Jahre nach unseren Begegnungen sagen, wie sehr sie mich dafür bewundern, dass ich immer zu mir gestanden habe – während sie selbst in der Masse verschmolzen sind und dafür aber eben immer auch ein leichteres Leben hatte. Leicht oder echt? Meine Antwort war immer schon: echt. Kürzlich habe ich den Ansatz einer Erklärung bekommen, warum mir das schon so früh im Leben immer so wichtig war und das war eine Offenbarung für mich. Seitdem ist es mir noch wichtiger, den echten statt den leichten Weg zu wählen. Beliebtheit ist mir nicht wichtig. Mich mag niemand, weil ich so gefällig bin. Menschen, denen ich wichtig bin, bin ich wichtig, weil sie sich auf mich verlassen können. Weil sie die Erfahrung machen, dass sie eben nicht verurteilt werden – auch wenn manche jahrelang argwöhnisch bleiben und es einfach nicht glauben wollen, so tief wie das in vielen sitzt. Und aus vielen anderen Gründen. Aber nicht, weil ich ihnen etwas vorgaukle, was beim kleinsten Windhauch in sich zusammen bricht.
  6. Ich mache Fehler, treffe Entscheidungen, die ich im Nachhinein bereue, falle auf Menschen rein, weil auch ich Wünsche habe. Und ich stehe dazu. Ich kann feststellen, mich geirrt zu haben, ohne mich mit einer neunschwänzigen Peitsche dafür geißeln zu müssen. Ich bin nicht (mehr) mein größter Kritiker sondern mein wichtigster Unterstützer. Und ich weiß eines: nur wer Fehler macht und aus ihnen lernt, wächst. Ich habe gesehen, was passiert, wenn man Fehler zu vermeiden versucht. Früher oder später bricht das ganze Kartenhaus zusammen und man stellt fest, dass man sich in eine Misere gebracht hat, die auf dem direkten Wege nie so krass geworden wäre. Fehler sind toll! Fehler sind menschlich! Fehler sind gar keine Fehler, sondern die wichtigsten Erfahrungen, die wir im Leben überhaupt machen können.

Ja, ich habe kein Geld. Ich habe ’nichts vorzuweisen‘. Ich kann auf nichts deuten und sagen: guck mal, das hab ich erschaffen. Denn meine Errungenschaften sind nicht sichtbar. Aber ich möchte sie nicht mehr tauschen gegen das, was andere sehen können. Ich erkenne sie – jeden Tag mehr. Und wer sich mein Freund nennt, feiert das mit mir – und ich mit ihm. Und wer sich nicht mein Freund nennt, ist eben mein Lehrer und bringt mich auch weiter. So oder so bin ich ein Gewinner. Und stehe dazu, für andere ein Loser zu sein. ‚Wer die Dummköpfe gegen sich hat, verdient Vertrauen‘ sagte eins Jean Paul Sartre. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen 😉

Ein Gedanke zu “Der wahre Erfolg –

  1. Du bist wunderbar und klasse und das spürt man in jeder Zeile, gerade wenn man deinen Werdegang schon eine Weile verfolgt.
    Ich finde es mutig und authentisch was du da tust und ich weiß ja selbst, dass es ein Geschenk ist, wenn man seinen eigenen Weg findet. In Mäuseschritten bin ich da auch dabei 😉 in mancher Augen magst du nichts erreicht haben – in meinen aber habe ich so viel Respekt, so viel! Ich finde es so mutig, dass du dich für dich entscheidest und ich bin mir sicher, dass da etwas ganz wundervolles zum Vorschein kommt 😊

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