Ein Treffen mit ‚Alte Bekannte‘

This article is written in German. If you need other languages, klick and chose here. Please note that the band title has also been translated. ‚Old Acquaintaces‘ means ‚Alte Bekannte‘ in German, which is the actual title of the band 😉 Sorry for the inconvenience!


Ich kann nicht sagen, dass ich mich irgendwie auf diesen Trip vorbereitet hätte. 12 Stunden vor Einlass wusste ich nicht mal a), dass es eine Band namens ‚Alte Bekannte‚ gibt, b), dass ich am Abend auf ihrem Konzert sein würde und c), dass es mir derart gut gefallen würde. Aber der Reihe nach:

Meine Freundin erzählte mir aufgeregt irgendetwas von Karten, die sie evtl. vielleicht von jemandem bekommen könnte, weil jemand anderes ausgefallen war und wäre das nicht toll? Wise Guys….. aber die haben sich ja getrennt…. und kommst Du mit? Ich war verwirrt, kannte die Wise Guys nur als kleines, aber nicht weiterführendes Flüstern in den hintersten Winkeln meines Gehirns, und sagte nur, sie möge mich noch mal ansprechen, wenn sie die Karten hätte. Ja, sie bekam dann um sechs Uhr morgens die Nachricht, dass sie die Karten bekommen würde und würde ich mitkommen? Hey, na klar komme ich mit. Ein zurück gezogenes Leben kann zwar heilsam sein, aber auch da darf man ja mal eine Pause machen. Also habe ich zugesagt. Nach einem langen Spaziergang mit den Hunden und leckerem Essen im Naschwerk in Siegen ging es dann los. Meine Freundin hatte mir zwar einen Link geschickt von den ‚Alten Bekannten‘ (mir war immer noch nicht klar, dass das jetzt der Bandname ist und nicht der Titel der Veranstaltung unter der jetzt gerade ein Revival statt findet!), aber ich hatte mich gewehrt, es mir anzugucken, ich wollte mich einfach mal komplett überraschen lassen.

Das Konzert fand im Leonhard-Gläser-Saal in der Siegerlandhalle in Siegen statt. Nach dem Einlass fanden wir unsere Plätze. Neben mir saß ein nettes Paar aus dem Wittgensteiner Land. Sie und ich haben festgestellt, dass wir Kreativität gemeinsam haben und mussten dann natürlich Nummern austauschen. So hat der Abend dann auch dazu beigetragen, dass mein noch im Entstehen befindliches Upcycling-Netzwerk sich weitet. Doch im Vorgeplänkel während des Wartens auf die Band wurde ich dann langsam doch neugierig. Was würde denn hier heute passieren? Polka? Schlager? Worauf sollte ich mich gefasst machen? ‚A Capella!‘ war die Antwort. Oh, das klang interessant! Eine Gruppe, die mit A Capella-Gesang immerhin eine Halle weitestgehend voll bekommt, und das im tiefsten Siegerland, muss vor allem gesangs-technisch wirklich was drauf haben. Und da ist mir dann die Bühnengestaltung aufgefallen. Spartanisch, nur einige große Leuchten, die mein ästhetisches Empfinden natürlich sofort ansprachen, und ein paar Mikros. Ja, der Gesang und die Technik würde also im vollen Licht der Aufmerksamkeit stehen.

Die Jungs kamen dann auch schon relativ bald auf die Bühne und noch vor dem Gesang offenbarte sich ein gewisses komödiantisches Talent, als Dän, sich wunderte, wie außergewöhnlich sich das in Siegen mit der Applaus-Aufteilung präsentierte und das Publikum möge sich doch bitte mal non-verbal abstimmen, damit die einen nicht so ewig lange auf die anderen warten müssten. Mit dem ersten Song hatte die Band mich dann auch musikalisch überzeugt. Doch bevor ich darauf eingehe, ein paar Infos für die, die ‚Alte Bekannte‘ und auch ‚Wise Guys‘, so wie ich bisher, nicht oder nur im Sinne von ’schon mal irgendwo gehört‘ kennen:

Wise Guys‚ war eine Band, die sich nach 25 Jahren großen Erfolgs und großer Beliebtheit im Sommer 2017 auflöste. Entstanden aus einer Schülerband gelang der ‚Vokal-Pop‘-Band in 2001 der deutschlandweite Durchbruch. Ihr Bekanntheitsgrad war vor allem in deutschsprachigen Landen groß, denn sie blieben im Wesentlichen beim Schreiben ihrer Songs ihrer Muttersprache treu. Mit dem Ende der Band-Geschichte konnten sich Dan, Nils und Björn, der bereits 2016 als Ersatz für den frühzeitig ausgeschiedenen Bass zu den Wise Guys stieß, scheinbar nicht so recht abfinden und gründeten die Nachfolge-Band ‚Alte Bekannte‘ – mit den Zugängen Clemens und Ingo wieder fünf Jungs, die a Capella singen, ihre Songs selbst und meist auf Deutsch schreiben. Der Name ergibt sich relativ schnell aus der Tatsache, dass man sich bereits im Vorfeld schon irgendwie über mehrere Ecken kannte. ‚Alte Bekannte‘ starteten ihr Projekt neu und sind dabei trotz des Erfolgs der Wise Guys ganz offensichtlich bodenständig geblieben und fangen ganz bewusst, so scheint es, und ganz bescheiden von vorne an, wollen sich gezielt eine Fanbase aufbauen. Schritt für Schritt. Na ja, mir scheint, sie wissen, wie das geht!



Das Konzert selbst beeindruckt erst mal durch die unglaublich gut sitzende Technik bei allen Sängern. A Capella ist die Hohe Kunst des Gesangs, denn kein schiefer Ton kann von lauten Instrumenten übertüncht werden. Obwohl mir das klar war und ich entsprechende Perfektion im Gesang erwartet habe, hat mich die Klarheit der Stimmen und die Leichtigkeit des Gesangs doch überrascht. Perfektion in allen (Gesangs-)Lagen und damit ein Muss für alle, die selbst singen. Manch einer weiß ja, dass man seine Stimme auch trainieren kann, in dem man anderen, superben Musikern beim Singen zu hören. Dank den Spiegelneuronen. Also allen Sängern sei hiermit empfohlen, sich das aktuelle Album ‚Wir sind da!‘ alleine schon als Aufwärmprogramm für die eigene Kunst zu besorgen 😉 A Capella ist hier nicht mehr das, was man vielleicht so erwartet, wenn man den Begriff hört. Wenn man mal mitten im Song die Augen schließt, hat man das Gefühl, einen ganz normalen Song mit Instrumenten zu hören. Da scheinbar viele dem nicht trauen, muss Clemens (meiner ganz persönlichen Meinung nach mit Björn, der in der Lage ist über alle Lagen von Bass über Bariton bis Tenor zu singen, der herausragendste Sänger der fünf) also den Beweis antreten, denn er ist für den Großteil der Beats und Geräusche verantwortlich. Seine Solo-Performance ist absolut überwältigend und in dem Moment als er Beatboxing und Gesang kombinierte – etwas, das ich bis dahin noch nicht gehört hatte, schon gar nicht live – blieb mir der Mund offen stehen.

Perfektion gab es aber nicht nur im Gesang, sondern auch in der Performance selbst. Zwischendurch habe ich mich gefragt, was für eine unglaubliche Arbeit dahinter stehen muss, diesen Gesang auf eine minimal-szenische Darstellung als Leinwand zu setzen. Neben dem Songschreiben, dem Proben und vielem anderen an Arbeit, die diese Jungs für ihre Musikshow vollbringen müssen, auch eine Choreographie in Wort und Tat einzubauen, die derart auf dem Punkt sitzt, ist wirklich eine tolle Leistung.

Sowohl die Texte als auch die regelmäßigen Einlagen, in denen einer der Jungs eine Geschichte zu erzählen oder auch eine Ankündigung zu machen hatte, waren vor allem zum Weglachen. Aber nicht nur. Die Band, schon wie die Vorgänger, hat Anliegen und nutzt ihren Status, um auf diese aufmerksam zu machen. So empfahl Dän vor der Pause einen Besuch beim nun aufgebauten Misereor-Stand, so dass man vielleicht einen kleinen Beitrag für diese Welt, der wir als westliche Nation, wie vielen von uns klar ist, viel genommen haben, zurück gibt. Aber Dän, selbst mit Depressions-Erfahrung, sprach dieses Thema und die Tatsache, dass viel mehr damit zu tun haben, als man glauben würde, und es mit guten Vorschlägen wie ‚Hey, geht doch mal ins Kino! So ein guter Film bringt dich sicher wieder auf Spur!‘ nicht getan ist. Dass Depressive mehr brauchen, vor allem Rückhalt und die Gewissheit, dass es auf sie ankommt, dass sie wichtig sind. ‚Nur Du allein‚ ist ein Song für die Menschen dieser Welt, die mit Depressionen zu kämpfen haben. Doch auch hier ist noch nicht Schluss, auch das Thema Nachhaltigkeit liegt den Jungs auf der Seele und so zeigten sie stolz ihre Soulbottles, mit denen sie die Plastikmüllflut, die ihre Konzerte bis dahin alleine durch sie und die Crew verursachten, ersetzt haben. Und auch die Geschehnisse auf der Welt und in diesem Land wurden natürlich nicht unbedacht belassen.

Am Ende erklärten die Jungs noch, dass sie auch nach dem Konzert noch in die Vorhalle kommen, ein paar Liedchen trällern werden und sich auch gerne noch mit den Fans unterhalten würden. Sie wären offen für Gespräche, Fragen und auch Feedback. ‚Afterglow‘ nennen sie diese Tradition aus Wise Guys Tagen. Dem war auch so. Schade, dass die Betreiber der Siegerlandhalle das entweder nicht wussten, oder nicht mit bedachten, denn leider gab es keine Getränke mehr zu kaufen. Aber die Band tauchte am Merch-Stand auf (Jungs, ich meine das ernst, ich hätte gern ein Songbook von Euch, das für Frauenstimmen aufgelegt wird!), sang noch ein paar Songs und verteilte sich dann im Raum, gab Autogramme und zeigte sich ganz allgemein offen und zugänglich.

Fazit: Eine Band, die durch Perfektion in Gesang Performance besticht, die ihre Werte klar hat und diese auch vertritt und ihren Status nutzt, um auf die Missstände und Themen dieser Welt aufmerksam zu machen, die die Nähe zu den Menschen, die zu ihnen kommen, nicht scheut… das ist für mich eine ‚runde Sache‘. Und darum geht’s. Ich liebe es eben, wenn Projekte, eben halt auch eine Band, eine ‚runde Sache‘ ist. Das zeigt mir, da ist mehr hinter und dafür gebe ich gerne meine Zeit und meine Ressourcen. Also denn, Leute, geht hin und macht Euch auf einen herrlichen Abend gefasst! Hier die aktuellen Konzerttermine. Viel Spaß!


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