Berg und Talsperre – ein Tag an der Lister

Als ich heute morgen aufwachte, hatte ich das Bedürfnis nach etwas, aber es dauerte eine Weile, bis ich verstanden habe, was genau. Es war der sechste Morgen in Folge, an dem die Sonne schon früh in mein Gesicht schien, der Vorfrühling 2019 noch immer voll im Gange. Und ich hatte richtig Energie. Aber was genau? Und dann war klar, ich brauchte eine Dosis Urlaubsgefühl. Und dazu gehört Wasser. Also habe ich entschieden, den Tag an ‚der Lister‘, wie wir hier die Listertalsperre zwischen Olpe, Attendorn und Drolshagen nennen. Sie ist die kleine Schwester des Biggesees, an dem ich meine Kindheit verbringen durfte.

An einem Tag wie heute, ist es proppenvoll am Biggesee. An solchen Tagen hat er ein Einzugsgebiet von bis zu 100 km, was die Naherholung angeht. Da weiche ich lieber mal auf die ruhigere Lister aus. Und natürlich befinden wir uns im Sauerland natürlich in einer Urlaubsregion, was man schon mal vergessen kann, wenn man hier wohnt. Denn das Sauerland hat außerdem eine lange Industriegeschichte. Sowohl die schöne Mittelgebirgslandschaft als auch Industriekultur sind hier zu finden – auch an der Lister. Diese hat nämlich, anders als der Biggesee, eine architektonisch interessante Staumauer, die immer wieder imposant wirkt, obwohl sie ja verhältnismäßig klein ist. Die Unterschiede in der Architektur sind auch den unterschiedlichen Erbauungszeiten geschuldet. die Listertalsperre ist nahezu ein halbes Jahrhundert älter, als die Bigge, die wiederum in den 50er Jahren aufgestaut wurde.

Unabhängig davon haben beide gemeinsam, dass ganze Dörfer in ihnen versunken sind. Während es wohl kaum noch Zeitzeugen gibt, die von der Zeit berichten können, als die Lister aufgestaut wurde, ist das bei der Bigge anders. Selbst meine Mutter kann erzählen, wie sie als Jugendliche jeden Tag von Frenkhausen via Ronnewinkel nach Olpe gelaufen ist. An Ronnewinkel erinnert heute nur noch die Ronnewinkeltalbrücke – und eine Schautafel an der Bigge. Auch am Listerrandweg findet man immer wieder solche Schautafeln, die historische Ansichten der versunkenen Dörfer zeigen. Tatsächlich zeigen sich bei extrem niedrigem Stand sogar noch manchmal Reste dieser vergangen Siedlungen.

Blick auf das Restaurant Gut Kalberschnacke

Die Lister ist aber mehr als nur architektonisches und siedlungshistorisches Denkmal. Hier ist es einfach schön. Das Wasser der Lister ist üblicherweise sehr ruhig. Auf den Wegen gibt es bei schönem Wetter ein paar Spaziergänger, Fahrradfahrer oder Inlineskater, aber es ist bei weitem nicht so voll wie an der Bigge. Während man an der Bigge sehr lang gestreckten Wegen am Wasser entlang folgt, hat die Lister mehr Buchten zu bieten, so dass die Ausblicke immer wieder neu wirken und immer neue Perspektiven eröffnen.

Ansicht unter: /http://www.wandermap.net/de/route/3585735-berg-und-talsperre-rundwanderweg-an-der-lister-10km/

Mein Lieblingsweg verbindet den Weg am Wasser mit dem Höhenzug oberhalb des Randweges. Von hier hat man eine weite Rundumsicht und immer wieder schöne Aussichtspunkte zum Verweilen und Schauen. Wie an der Bigge konnten auch hier Fördergelder der EU gewonnen und für die touristische Erschließung und Pflege der Wege gewonnen werden.

Panorama von Uelhof mit Hunswinkel im Hintergrund

Der Weg folgt einem dieser erschlossenen Wanderwege. Ich wollte aber noch ein Stündchen länger unterwegs sein, weshalb ich eine Erweiterung gelaufen bin. Sobald man die touristischen Wege verlässt, bekommt man die Sauerländer Realität zu sehen. Denn im Sauerland ist Forstwirtschaft ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und so sind unsere Wälder vor allem Wirtschaftsforste. Nicht alle sind für Touristen heraus geputzt, sondern zeigen das Leben in den Wäldern. Sofern die Wege nicht komplett zuwuchern, was abseits des Rothaarsteigs auch schon mal gerne der Fall ist, ist mir die zweite Variante lieber. Ich gehe lieber auf Waldwegen statt auf Asphalt, aber da sind die Vorlieben natürlich unterschiedlich. Wer meinem Wegvorschlag folgt, hat auf jeden Fall von beidem das Beste – Berg und Talsperre. An einem Tag wie heute, perfekt bis zum Sonnenuntergang!

Sonnenuntergang an der Listerstaumauer

8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Jo Wolf sagt:

    Klasse Bilder, es ist einfach schön da, war leider seit bald zwei Jahren nicht mehr dort. Zuletzt auch mehr an der Glörtalsperre, die ist von heir shcneller zu erreichen und nicht so voll. Mit Hunden auch ganz gut geeignet, um in Ruhe nen nicht so langen Gang drumherum zu machen. Wird dies Jahr mal wieder Zeit dafür. 🙂

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    1. Das lässt ja vermuten, dass wir nicht so weit auseinander sind! Ist ja witzig, wie klein die Welt doch wieder ist! Die Glörtalsperre kenne ich noch nicht. Werde ich mir aber mal merken für einen Tagesausflug. Immer schön, dass es noch Orte sind, die zwar super schön sind, aber eben nicht so übervoll. Danke für den Tipp! Und wer weiß, vielleicht zieht es Dich mal wieder in die Gegend hier 😉

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      1. Jo Wolf sagt:

        Ich wohne in Dortmund. Hab mich aber viel im Sauerland aufgehalten… unter anderem, um an der Talsperre zu schwimmen und abzuhängen im Sommer… oder einfach drumherumzuspazieren mit den Hunden. Glörtalsperre ist recht klein. Ideal, um auch nach Feierabend noch ne Runde drumherum zu gehen. Klar zieht es mich wieder in die Gegend 🙂

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      2. Ja, unsere Talsperren sind ein Naherholungsgebiet für Ruhrgebiet und Köln etc. Man sieht das immer an den Nummernschildern der Autos, die im Sommer entlang der Seen geparkt sind 😉 Falls Du magst, können wir uns mal treffen.

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      3. Jo Wolf sagt:

        Meine ehemalige bessere Hälfte kam aus dem Sauerland, daher war da halb heimisch, trotz Ruhrgebietskennzeichen ;-P Gerne, Melanie… Dann nehm ich auch die Kamera mit. Das ist seit einiger Zeit viel zu kurz gekommen bei mir. 🙂

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      4. Ein Foto-Date mit Hunden? Super, bin dabei! Woher kam die ehemals besser Hälfte denn? Sorry, aber das muss ich jetzt mal nachfragen;-)

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      5. Jo Wolf sagt:

        Ausgezeichnet 🙂 … Nähe Meinerzhagen. Also Mark… nicht richtiges tiefes Hochsauerland *g*

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      6. Da bin ich auch nicht, sondern Südsauerland. Viele kennen nur HSK 😉

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