Altenberg Kaskaden – oder: Fotografieren bei Wind und Wetter

Diese Bilder sind bei einem spontanen Fotowalk entstanden. Ursprünglich war der Plan, ein Lost Place zu besuchen. Das hat aber zeitlich leider nicht geklappt, aber wir waren auf Lost Place Feel eingestimmt und so kam es zu einem Besuch auf der Bergbausiedlung Altenberg beim Hilchenbach-Müsen.

Bei, oder noch besser, vor diesem Walk kam es zum Thema Wetter und beinah wäre auch dieser Ausflug im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen – da es ja regnete. Da das Thema gerade bei Hobbyfotografen wie mir immer wieder auftaucht, dachte ich mir, ich mache es mal zum Thema.

Viele, die beginnen, sich mit der Fotografie zu befassen, warten häufig auf schönes Wetter, Sonne und blauen Himmel. Natürlich ist das schön! Wir gehen alle lieber raus, wenn das Wetter schön ist. Wir genießen schon aus rein biologischen Gründen den Sonnenschein und blauer Himmel hat auf uns eine besondere Wirkung. Aber ganz ehrlich, es gibt mindestens genau so viele Gründe, sich bei Wind und Wetter auf den Weg zu machen.

  1. Das Licht. Das Licht bei bedecktem Himmel ist ein komplett anderes als das bei strahlendem Sonnenschein. Da Fotografie in seiner ganzen Grundlage mit Licht zu tun hat, ist das ein wichtiger Punkt. Bedeckter Himmel zaubert ein weiches Licht, das eine Landschaft ganz anders darstellt. Partiell bedeckter Himmel kann für ganz tolle Effekte in der Landschaft sorgen. Sei es durch einzelne Strahlen, die durch Lücken in den Baumkronen einfallen oder durch Lichtflecken auf Feldern oder diese riesigen Strahlen in der Wolkendecke. Je bedeckter der Himmel, desto weicher das Licht und desto weicher die Konturen. So bekommt Landschaften und auch Gesichter einen ganz anderes Ausdruck. Es lohnt sich durchaus mit ein und demselben Motiv bei verschiedenen Wetterlagen zu experimentieren.
  2. Die Farben. Sie erscheinen ganz anders, wenn der Himmel grau ist. Manche verlieren an Kraft, andere gewinnen erst an Intensität. Frisches Grün wirkt bei grauem Wetter beispielsweise viel kräftiger und wird damit sehr interessant.
  3. Die Stimmung. Auch die ist eine andere, logischerweise. Gerade an einem Ort wie einer ehemaligen Bergbausiedlung und Lost Places ist vermeintlich schlechtes Wetter manchmal viel sinnvoller, wenn es darum geht, die Stimmung einzufangen, die dieser Ort hat. Viele dieser Orte wirken geheimnisvoll und sogar mystisch. Sonne und blauer Himmel geben ganz andere Stimmungslagen wieder.
  4. Das Interesse des Betrachters. Wie oben schon gesagt, gehen die allermeisten Menschen lieber bei vermeintlich gutem Wetter in die Natur. Als Hundebesitzer kann man das sehr gut verfolgen. Selbst die interessantesten Orte sind bei ’schlechten‘ Wetter verwaist. Nur hartgesottene Wanderer, die sich bestimmte Routen vorgenommen haben, sind da eine Ausnahme. Und eben Hundebesitzer. Aber das Gros der Menschen wartet auf die Sonnentage. Was aber eben auch bedeutet, dass das Gros der Menschen diesen Anblick, diese Stimmung, diese Farben gut kennt. Darum sind ‚Schlechtwetter‘-Fotos viel interessanter. Das beste Beispiel dafür sind die genialen Fotos aus Schottland. Diese Bilder sind so wahnsinnig interessant, weil sie das Land mit seinem Wetter zeigen. Ein Sandstrand mit türkisfarbenem Wasser ist toll. Ein Sandstrand mit türkisfarbenem Wasser, der von Wind und Regen gepeitscht ist, zieht das Auge magisch an, weil das ein ungewöhnlicher Anblick ist.
  5. Die eigene Erfahrung. Während Ausflüge bei gutem Wetter so vielfältig sind, sind sie auch in unserer eigenen Erfahrung irgendwann ein Erlebnis von vielen. Aber die Anekdote von den Mealt Falls am Kilt Rock, wo mein Auto beinah vom Wind in einen Tümpel getrieben wurde, die Kamera im Sturm auf dem Stativ gewackelt hat, dass ich bis heute nicht glauben kann, wie ich da ein scharfes Foto bei 30 Sekunden Belichtungszeit bekommen habe, und das tönende Geländer sich anhörte wie riesige Didgeridoos… Oder kurz zuvor am Quiraing, als der Wind mit seinem Regen nur ein paar Minuten brauchte, um mich komplett durchzunässen, während ich versuchte, wenigsten ein Foto von diesem herrlichen Anblick zu bekommen… Das sind unvergessliche Erlebnisse, die heraus stechen und so nicht alltäglich wieder kommen.

Ich kann also nur an alle plädieren, sich vor allem bei Wind und Wetter aus dem Haus zu trauen und zu fotografieren. Es kann nur bereichern. Natürlich ist es ein bisschen umständlicher. Angefangen bei einem Regenschutz für sich selbst und die Ausrüstung muss man natürlich auch darauf achten, dass das Equipment beim Fotografieren nicht zu nass wird. Es hilft, einen Schirm dabei zu haben, um evtl. bei Langzeitbelichtungen die Kamera von oben schützen zu können. Wasserfeste Klamotten machen natürlich auch Sinn. Ja, man flucht vielleicht das ein oder andere Mal, aber letzten Endes macht es genauso viel Spaß bei ’schlechtem‘ Wetter zu fotografieren, wie bei ‚gutem‘. Mindestens. Meist sogar noch viel mehr 😉

So, jetzt aber auch noch was fürs Auge: Die Kaskaden der Bergbausiedlung Altenberg:


 

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Jo Wolf sagt:

    Bist mit trollen Bildern belohtn woren 🙂 … Ist bei schlechtem Wetter wirklich was ganz besonderes. Ich hab heute beschlossen, die Fotosaison endlich mnal wieder einzuläuten. Allerdings unabhängig vom Wetter 😀

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    1. *gg* Na, dann wünsche ich Dir offiziell alles Gute für die neue Saison! Bei mir ist die on/off 😎

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      1. Jo Wolf sagt:

        Bei mir ist die letzte Saison mit kurzer Unterbrechung bald 2 Jahre her xD

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